Peter Handke denkt im NEWS-Interview an eine Rückkehr nach Österreich
- Handke über Schwarzenegger: "Ein schlauer Tölpel"
- Autor äußerst Sympathien für Michael Moore
Der Autor Peter Handke, der derzeit im Pariser Vorort Chaville lebt, erwägt die Heimkehr nach Österreich. Das erklärt er in einem Interview für die aktuelle NEWS-Ausgabe. Sein Interesse gilt Fischamend an der Donau bei Wien, in der Nähe des Selbstmördern vorbehaltenen Friedhofs der Namenlosen. Handke zur Heimkehr: "Ich denke schon daran. Ich hätte gern ein Haus beim Friedhof der Namenlosen. Da gibt es alte Mühlen und Lagerhäuser, in denen man schön leben könnte."
Handke weiter: "Ich fühle mich im deutschen Sprachraum am besten aufgenommen. Ich spüre mich hier am intensivsten gelesen. Das ist mein stiller Echoraum. Ich bin ja immer dort. Das Deutsch-Schreiben ist meine gefährliche Heimat."
Anlass des Interviews ist das bevorstehende Erscheinen des Romans "Don Juan (erzählt von ihm selbst") bei Suhrkamp: die Geschichte eines Mannes, in dessen Garten bei Paris Don Juan auf der Flucht vor seinen Verfolgern Zuflucht findet und zum Dank seine Reisen schildert.
Handke, dessen Roman "Der Bildverlust" soeben mit fulminanten Kritiken in französischer Sprache erschienen ist, hat laut NEWS allerdings schwere Vorbehalte gegen das deutschsprachige Feuilleton, das ihn wegen seines Eintetens für Jugoslawien schwer attackierte: "Ich staune nur noch. Im Grund habe ich von Anfang an gestaunt. Am Anfang war es ein fassungsloses Staunen, was man da aus meinen Büchern herausgelesen hat. Jetzt ist es ein müdes Staunen. Andererseits gibt es unzählige Menschen, die wissen, was ich geschrieben habe. Es wird auch der Moment kommen, wo es wirken wird. Es wirkt ja schon. Viele denken schon so wie ich, nur finden sie es vielleicht noch unter ihrer Würde, mitzutun. Ich habe es nicht unter meiner Würde gefunden. Und so gehört es sich ja auch: dass einer würdelos wird. Aber gewundert hat es mich schon: dass gerade Journalisten, die mit Kultur umgehen, fast am primitivsten, wie die Pawlowschen Hunde, auf Halbsätze anspringen. Vor allem die so genannten linksliberalen Zeitungen nivellieren vollkommen unilateral. Die Schriftsteller sind die Sklaven der Medien geworden. Sie haben jede Achtung verloren, weil sie sich um die Medien reißen. Als ich jung war, habe ich auch gern mit Journalisten geredet. Als der Karasek noch nicht ganz verkommen war und noch sehr schön über Bücher geschrieben hat, bin ich gern mit ihm zusammengesessen. Früher haben Menschen, die über Bücher geschrieben haben, wirklich enthusiastisch angefangen und sind erst nach und nach verkommen, denn diese kleine Macht lässt sehr schnell verwahrlosen. Heute fangen sie schon verkommen an. Das ist nur noch Gewäsch, Gerede, wie man sich positioniert. Keiner existiert mehr. Man vegetiert nur, aber nicht friedlich, sondern kriegerisch. Dabei wäre es vollkommen genug, begeistert zu sein. Mein ganzer ,Bildverlust ist eine Geschichte der verlorenen und wiedergefundenen Begeisterung."
Befremdet zeigt sich Handke in NEWS über die Pläne des Burgtheaters, sein Stück "Untertagblues" (es sollte ursprünglich von Luc Bondy mit Gert Voss uraufgeführt werden) nun in einer experimentellen Fassung der Regisseurin Friedrike Heller herauszubringen: " Was ich gehört habe, ist sonderbar. Ich frage mich, ob nicht wenigstens die ersten zwei, drei Inszenierungen eines neuen Stückes relativ getreu am Geschriebenen ablaufen sollten. Ich wurde schon angesprochen, dass ich das untersagen solle. Aber ich mische mich nicht mehr ein. Es ist mir nicht mehr wichtig."
Bemerkenswert ist Handkes Anmerkung zum Landsmann Arnold Schwarzenegger: " Er macht sich zumindest manchmal über sich und seine seltsame Karriere lustig. Ein schlauer Tölpel. Andere Karrieren sind noch viel irrwitziger. Die von Joschka Fischer zum Beispiel. Der war ein Schläger - er hat auf einen Polizisten, der auf dem Boden lag, noch einmal draufgeknüppelt. Das ist die deutsche Karriere: Der Polizist, der das damals überlebt hat, ist heute fast stolz, dass ihn der Herr Bundesaußenminister niedergeprügelt hat. Die Karriere vom feigen Schläger und Großmaul zum Killer ist unendlich scheußlicher und absurder als die fast komisch-sympathische Karriere von Schwarzenegger."
Sympathien äußert er in NEWS für den Amerika-Kritiker Michael Moore: " Ich bin kein Polemiker. Ich beschreite Nebenwege und gewinne auf denen die Energie zum Angriff. Aber ich war von seinen ersten Filmen, in denen er die Arbeitslosigkeit in seiner Heimatstadt schildert, sehr beeindruckt. Man sagt, er manipuliert. Aber das muss ebenso wenig ein Schimpfwort sein wie Provokateur. Man kann ja auch zur Wahrhaftigkeit hinmanipulieren: dass man die Wirklichkeit zur Nacktheit entstellt."
Handke hat soeben die Hälfte seines Honorars für die "Untertagblues"-Uraufführung am Berliner Ensemble den Opfern des NATO-Bombardements gegen die serbische Stadt Varvarin gespendet.
Die gesamte Story lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von NEWS!
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