Freitag, 16. Juli 2004

Aufregung bei den ÖBB: Personalchef wird zwangsweise in Frühpension geschickt

  • Grund: "Unüberbrückbare Auffassungsunterschiede"
  • Gewerkschafter Haberzettl spricht von "Politmobbing"

Bei den ÖBB sorgt eine Frühpensionierung in der Chefetage für Aufregung. Aus Unternehmenskreisen verlautete, dass der ÖBB-Vorstand seinen Personalchef Wolfgang Moldaschl am Mittwoch überraschend im Alter von 47 Jahren zwangsweise per 1. Oktober in den Ruhestand versetzt. Ein ÖBB-Sprecher begründete dies mit "unüberbrückbaren Auffassungsunterschieden". Eine Trennung sei "nur so möglich gewesen".

Eisenbahner-Gewerkschaftschef Wilhelm Haberzettl spricht von "Politmobbig" und will aus Protest die laufenden Verhandlungen über einen neuen Kollektivvertrag sofort abbrechen. Haberzettl rechnet damit, dass Moldaschl, der als gewerkschaftsfreundlich gilt, ein ÖVP- naher Manager nachfolgen soll.

ÖVP-Verkehrsstaatssekretär Helmut Kukacka weist hingegen jeden "politischen Zusammenhang" zurück. Die operativen und personalpolitischen Entscheidungen treffe alleine der Vorstand. Der Posten werde entweder intern nachbesetzt oder in einem "sehr transparenten Verfahren ausgeschrieben werden", so der Staatssekretär.

In der "ÖBB-Neu" wird für das Personalmanagement künftig ein eigenes Unternehmen, die ÖBB-Dienstleistungs GmbH, zuständig sein. Moldaschl war für diese Gesellschaft bereits als Geschäftsführer eingetragen. Der Vorstand hat ihn nun aber wieder abberufen: Moldaschl sei nur Gründungsorgan der Dienstleistungs GmbH gewesen, nach seiner Abberufung werde nun ein "geeigneter" Geschäftsführer gesucht, heißt es aus der Unternehmensführung.

Dass das Klima zwischen dem ÖBB-Vorstand und Personalleiter Moldaschl nicht das Beste gewesen ist, war schon länger bekannt. Eskaliert sein soll der Konflikt dann in einer Besprechung vergangenen Montag. Laut Haberzettl war der Stein des Anstoßes ein Protokoll, in dem der Personalchef dem Vorstand vorgeworfen haben soll, bei der ÖBB-Reform in Personalangelehenheiten säumig zu sein, und in dem er kritisiert haben soll, dass der Vorstand für Personalangelegenheiten einen externen Berater zugezogen habe.

16.7.2004 14:34