"Hände weg von unserem Kulturgut": Bayern kämpft um seine Feiertage
- Stoiber: "Mit mir wird es keine Änderung geben"
- MITSTIMMEN: Sind Sie für eine Kürzung der Feiertage?
·Grasser will zwei Feiertage streichen!
Reaktionen: Nein aus allen Lagern.
·Mitstimmen - große Online-Umfrage!
Soll die Anzahl der Feiertage gekürzt werden?
·Mehrheit glaubt: Arbeitzeit wird länger
Mehr jobben ohne mehr Gehalt wird abgelehnt
·MITDISKUTIEREN: Feiertags-Kürzung?
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Grassers Plänen?
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·Deutsche Experten fordern 50h-Woche!
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Es gibt ein paar Reizthemen, bei denen die Bayern nicht mit sich reden lassen. Dazu gehört die möglichst späte Sperrstunde in den Biergärten ebenso wie das Kruzifix im Klassenzimmer oder die Zahl der Feiertage, um die der Rest der Nation die Bewohner im südlichsten deutschen Bundesland beneidet. Im Freistaat darf sich das arbeitende Volk an jährlich zwölf Feiertagen ausruhen.
In Gemeinden mit überwiegend katholischer Bevölkerung kommt Mariä Himmelfahrt (15. August) als 13. Feiertag hinzu, und die Bewohner von Augsburg bekommen den 8. August im Gedenken an den Religionsfrieden als weiteren arbeitsfreien Tag geschenkt. Bayern ist also auch bei den Feiertagen bundesweit Spitze. Die Einwohner anderer Bundesländer müssen mit teils nur neun Feiertagen auskommen.
"Hände weg von unserem Kulturgut", ging dieser Tage wieder unisono ein Aufschrei durchs weiß-blaue Land, als in der Debatte um längere Arbeitszeiten aus Politikermund und von Arbeitgeberseite gefordert wurde, Bayern solle sich einer bundeseinheitlichen Regelung mit weniger Feiertagen anschließen. Sofort formierte sich von Passau bis Aschaffenburg geschlossener Widerstand. Die sonst spinnefeind gesonnenen Parteien CSU und SPD, aber auch Kirchen und Gewerkschaften führten in seltener Harmonie den Chor der Feiertags-Verteidiger an. Auch wenn sie sonst über "Peanuts" wie das Anstrahlen der Zugspitze mit lila Scheinwerferlicht wochenlang streiten, das Rütteln an ihren Grundfesten eint die Bayern.
Und die kirchlichen Feiertage gehören zu diesen Grundfesten. Wer je erlebt hat, wie die Gläubigen auf dem Land etwa zu Fronleichnam im Festgewand und unter Blasmusiklängen hinter dem Allerheiligsten in der Monstranz herziehen oder wer die berühmte Seeprozession auf dem oberbayerischen Staffelsee gesehen hat, der versteht, wie sehr die Bayern an ihrem jahrhundertealten kirchlichen Brauchtum hängen.
Stoiber kämpft um die Feiertage
"Mit mir wird es keine Änderung geben", hält Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) daher unverrückbar an der Feiertagsregelung im Freistaat fest. Die Bundespolitik habe sich nicht in die Feiertagsregelungen der Länder einzumischen, ruft er Richtung Berlin. Oppositionschef Franz Maget (SPD) springt dem bayerischen Regenten bei: Die Wirtschaftskraft eines Landes hänge schließlich nicht von der Zahl der Feiertage ab, gibt der frisch gebackene Träger des Bayerischen Verdienstordens seinen Bundes-Genossen contra.
Der Münchner Kardinal Friedrich Wetter fordert das sofortige Einstellen der Feiertagsdiskussion. "Die Feiertage sind ein wichtiges Kulturgut", predigt der Purpurträger, und aus religiösen und kulturellen Motiven geradezu "sinnstiftend". Zudem erinnert Wetter daran, dass die Katholiken in Bayern kirchliche Feste wie Josefi (19. März), Peter und Paul (29. Juni) sowie Mariä Empfängnis (8. Dezember) längst als Feiertag geopfert hätten. Und auch der evangelische Buß- und Bettag (17. November) ist außer in Sachsen längst Arbeitstag.
Für den bayerischen Vorsitzenden der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, Josef Falbisoner, sind die Vorschläge zur Kürzung von Feiertagen schlichtweg "unausgegoren". Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu indessen meint, die Streichung von Feiertagen könnte zwar dazu führen, dass sich das Bruttoinlandsprodukt im Freistaat erhöht - mit dem Ergebnis, dass dann auch der Finanzausgleich zu Gunsten ärmerer Bundesländer steigt. Der CSU-Mann stellt aber klar: "Das mag andere Länder freuen, kann aber nicht Sinn der Sache sein." (apa/red)

