Montag, 12. Juli 2004

Des Einen Freud,des Anderen Leid: Wetter
beschert Hotels Einbußen, Wirte im Plus

  • Für gesamte Sommersaison Nächtigungsplus erwartet
  • Trend geht hin zu immer kurzfristigeren Buchungen

Das schlechte Sommerwetter wirkt sich auf die österreichische Tourismuswirtschaft unterschiedlich aus. Während die Ferienhotellerie unter dem vielen Regen und den kühlen Temperaturen leidet und Buchungsrückgänge verzeichnet, entwickeln sich Stadthotellerie und Gastronomie hingegen gut. "Es gibt durchaus Tourismusbereiche, die von diesem Wetter profitieren", stellte die Geschäftsführerin der Tourismussparte in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Petra Stolba, am Montag fest.

Daher erwarte man für die gesamte Sommersaison 2004 insgesamt dennoch noch ein leichtes Nächtigungsplus und ein Umsatzplus. Auch die Österreich Werbung (ÖW) hofft trotz alledem, das Top-Ergebnis des vorigen Sommers halten zu können, sagte ÖW-Sprecherin Christa Lausenhammer zur APA.

Zu den Freizeitbereichen, die von dem kühleren Wetter profitieren, gehören neben der Gastronomie auch die Gesundheitstourismusbetriebe, die sich gut entwickeln würden, berichtete Stolba. Die Stadtgastronomie habe sich im traditionell schlechteren Juni heuer "sehr gut" geschlagen. Auch Segelschulen wüssten den stärkeren Wind zu schätzen, Wanderer das Ausbleiben der Hitze. Auch in Hotelbetrieben mit Seminar- oder anderen Zusatzangeboten schaue es "nicht schlecht" aus.

Probleme habe hingegen die Ferienhotellerie, im speziellen jene Betriebe etwa an Seen, die nur auf eine Saison ausgelegt seien und über keine Alternativangebote verfügten. Das heurige Sommerwetter gebe Anlass dazu, verstärkt über den Aufbau eines Ganzjahrestourismus und die Entwicklung von Schlechtwetterangeboten nachzudenken, meint Stolba. Hier seien "Kreativität, Anpassungsfähigkeit und Eigeninitiative" gefragt. Meist hapere es nicht an der Hardware, sondern vielmehr an der Software, sprich an Schlechtwetterangeboten wie Ausflügen und ähnlichem.

Immer deutlicher werde jedenfalls der Trend zur Kurzfristigkeit bei der Buchung, berichtete Stolba. Grundsätzlich gelte heuer im Sommertourismus: Je mehr Badedestination, umso kurzfristiger die Buchungen.

Im vorigen Sommer hätten dank des schönen Wetters viele Betriebe ein Plus verzeichnet, heuer würde sich hingegen wieder "die Spreu vom Weizen" trennen, meint auch Lausenhammer. Wenn es keine sinnvollen Alternativangebote gebe, würden Betriebe langfristig mit Sicherheit "ein Problem kriegen".

Im Mai hat sich der österreichische Tourismus jedenfalls trotz der vielfach schlechten Witterung nicht so schlecht geschlagen und ein 5,4-prozentiges Nächtigungsplus eingefahren. Mit ein Grund für die Zuwächse war allerdings, dass Pfingsten heuer in den Mai fiel (2003 war Pfingsten im Juni). Die Inländernächtigungen gingen im Wonnemonat allerdings um 0,1 Prozent geringfügig zurück, während die Ausländernächtigungen um 9,1 Prozent stiegen. Von Jänner bis Mai 2004 stiegen die Tourismusnächtigungen um 3 Prozent auf 52,7 Mio. Übernachtungen.
(apa)

12.7.2004 12:53