Mittwoch, 14. Juli 2004

Griechisches "Wunder": Alle Olympia-Anlagen sind pünktlich fertig gestellt!

  • Wie Rehhagels Helden: "Tore in den letzten Minuten"
  • Ausbau des Verkehrsnetzes noch nicht abgeschlossen

Auf der Großbaustelle Athen wird zwar noch fleißig gearbeitet, doch die vor Monaten als kritisch eingeschätzte Sportstätten-Lage hat sich entspannt. "Ich sehe keine größeren Probleme mehr", sagte Denis Oswald, Präsident der Koordinierungskommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), bei seinem jüngsten Besuch in der Olympia-Stadt. Was die IOC-Funktionäre und die Mehrzahl der Beobachter vor Ort kaum für möglich gehalten haben, ist Realität geworden: Alle Sportanlagen für die Olympischen Spiele vom 13. bis 29. August sowie das Olympische Dorf und die Pressezentren sind pünktlich fertig gestellt worden.

"Alle Griechen arbeiten so wie ihre Fußball-Nationalmannschaft in Portugal. Wir schießen die Tore meistens in den letzten Minuten", sagte ein Mitarbeiter des Athener Organisationskomitees ATHOC. Noch stören jedoch Baumaterialen und Bauschutt den Anblick rund um die Sportanlagen. Bis zur Eröffnung der Sommerspiele gehen die Aufräumarbeiten daher im Drei-Schicht-System weiter.

Krönung der Bauten und Stolz des ATHOC ist die gelungene Überdachung des Olympiastadions, das den Namen des Marathon-Olympiasiegers von 1896, Spiridon Louis, trägt. 156 Millionen Euro hat die Renovierung der 74.000 Zuschauer fassenden Arena gekostet, die zentraler Punkt im riesigen Olympiapark (OAKA) ist.

Dort befinden sich überdies das "Aquatic Centre" mit einer überdachten Halle für Wasserball, Wasserspringen und Synchronschwimmen und dem Schwimmstadion. Da dessen Überdachung gescheitert ist, müssen sich Mirna Jukic, Markus Rogan und Co. auf heiße Wettkämpfe in der prallen Sonne gefasst machen. Wenige hundert Meter entfernt stehen das überdachte Velodrom, das aus der Ferne wie ein riesiger Käfer aussieht, das moderne Tennisstadion und die 18.000 Zuschauer fassende Basketball-Halle.

Sportstätten in Gehdistanz
Auch der Olympiakomplex Faliron im Süden Athens hat Konturen bekommen. Das Fußballstadion "Georgios Karaiskakis" mit 30.000 Plätzen ist fertig. Die Zuschauer können die Arena, in der das Frauen-Finale ausgetragen wird, binnen drei Minuten zu Fuß von der nahe gelegenen Station der Elektrischen Bahn (Neo Faliro) erreichen. Nebenan ragt das Dach der Handball-Halle "Frieden und Freundschaft" aus dem Küstenabschnitt heraus. Rund einen Kilometer entfernt ist eine der schönsten Ecken von Athen entstanden - die "Esplanada" von Fakiron mit den Wettkampfstätten für Beachvolleyball, Taekwondo und Volleyball.

Freuen können sich die Olympia-Touristen auf den Besuch des drittgrößten Anlagenkomplexes im alten Athener Flughafen Hellinikon (HOSC). Dort befinden sich eine Basketball-Halle (14.000 Zuschauer), in der die Vorrundenspiele ausgetragen werden, ein größeres Stadion für Baseball und eine kleinere Arena für Softball, das schmucke Hockey-Stadion und die moderne Anlage für Kanu-Slalom. Seit Anfang Juli sind die Veranstalter ihre größte Sorge los: Die neue Straßenbahn, die das Stadtzentrum mit dem Sportkomplex verbindet, wurde in Betrieb genommen.

Ausbau des Verkehrsnetzes noch nicht abgeschlossen
Bereits vor längerer Zeit wurden die Hallen für Boxen im Stadtteil Peristeri, für Ringen und Judo in der Vorstadt Ano Liossia sowie für Gewichtheben in Nikaia eingeweiht. Während die Sportanlagen im Raum Athen innerhalb einer halben Stunde erreichbar sind, ist der Weg für die Ruderer, die Schützen und die Reiter etwas weiter. Diese Wettbewerbe werden im Raum Marathon-Markopoulo stattfinden, der etwa 30 bis 40 km außerhalb der Stadt liegt. Viele der davon betroffenen Athleten haben daher beschlossen, ihr Quartier nicht im Olympischen Dorf aufzuschlagen, sondern in der Nähe der Sportstätten zu wohnen.

Zurücklehnen können sich die Organisatoren aber nicht, denn der Ausbau der Infrastruktur ist noch nicht abgeschlossen. Dank eines neuen Verkehrsnetzes - bestehend aus drei U-Bahn- und Stadtbahn-Linien, der Straßenbahn, einer Vorstadtbahn sowie mehr als 50 Olympia-Buslinien - sollen die Besucher möglichst schnell von einer Wettkampfstätte zur nächsten gelangen. Ein Test war bisher jedoch nicht möglich. (apa/red)

14.7.2004 10:21