"Ziehen Sie schnell nach Israel": Sharon ruft Juden in Frankreich zum Umzug auf
- Premier verweist auf wachsenden Antisemitismus
- Paris verärgert: "Nicht hinnehmbare Äußerungen"
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Der israelische Ministerpräsident Sharon hat am Sonntag die französische Regierung mit Äußerungen über wachsenden Antisemitismus in ihrem Land verärgert. Er rief die Juden in Frankreich zum Verlassen ihres Heimatlandes auf. Paris forderte umgehend eine Erklärung für die "nicht hinnehmbaren Äußerungen". Jüdische Vertreter bezeichneten Sharons Bemerkungen als wenig hilfreich.
Vor Vertretern amerikanischer Juden sagte Sharon in Jerusalem: "Wenn ich unseren Brüdern in Frankreich einen Rat geben sollte, dann diesen: Geht so schnell wie möglich nach Israel." In Frankreich breite sich der wildeste Antisemitismus aus, sagte der israelische Regierungschef. Zehn Prozent der Bevölkerung dort seien heute Moslems. Das schaffe eine neue Art von Antisemitismus, der sich auf antiisraelische Gefühle und Propaganda gründe. Sharon attestierte der französischen Regierung, dass sie gegen die rassistische Gewalt im Lande vorgehe.
Das Pariser Innenministerium verzeichnete in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres 135 antisemitische Straftaten sowie 375 antisemitische Drohungen. Die Zahl der Straftaten überstieg dabei schon zur Jahresmitte die Gesamtbilanz des Vorjahres. Im gesamten Jahr 2003 waren es insgesamt 593 Fälle. Oftmals handelt es sich um Hakenkreuzschmierereien auf jüdischen Friedhöfen und Einrichtungen der jüdischen Gemeinden.
Der Präsident der Internationalen Liga gegen Rassismus und Antisemitismus (LICRA), Patrick Gaubert, sagte im französischen Fernsehen zu Sharons Äußerungen, der israelische Regierungschef hätte besser geschwiegen. Und Theo Klein, Ehrenpräsident der jüdischen Dachorganisation CRIF, sagte, Sharon sollte es der jüdischen Gemeinde in Frankreich selbst überlassen, sich um ihre Probleme zu kümmern. "Er hat nicht für uns zu entscheiden." (apa)
