Samstag, 17. Juli 2004

Flüchtlingsdrama vor Sizilien: Müssen die 37 Sudanesen wieder zurück nach Afrika?

  • Inhaftierte Cap-Anamur-Mitarbeiter in Deutschland
  • Italienischer Richter hält Vorwurf aufrecht

Die drei Cap-Anamur-Mitarbeiter, die nach dem Flüchtlingsdrama vor Sizilien inhaftiert wurden, sind wieder frei und bereits wieder auf dem Weg nach Deutschland. Für die 37 Flüchtlinge ist die Geschichte aber noch nicht zu Ende. Einigen droht jetzt die Abschiebung.

Cap-Anamur-Leiter Elias Bierdel, der Schiffskapitän und der Erste Offizier waren am Vortag nach fünftägiger Untersuchungshaft freigekommen. Der zuständige Richter hielt jedoch die Vorwürfe der Beihilfe zur illegalen Einwanderung aufrecht. Auch das Schiff, das 37 afrikanische Flüchtlinge nach Italien gebracht hatte, blieb beschlagnahmt.

Italien hat die Asylgesuche der 37 Afrikaner abgewiesen. Dies berichtete die italienische Nachrichtenagentur ANSA am Samstag unter Berufung auf Informationen aus dem Innenministerium in Rom. 14 Flüchtlinge seien bereits in ein Flüchtlingslager nahe Rom gebracht worden, von wo sie in ihre Heimatländer abgeschoben werden sollen.

Der Gründer der Hilfsorganisation, Rupert Neudeck, übte indes heftige Kritik an seinen Nachfolgern an der Spitze von Cap Anamur: "Es wäre besser gewesen, mit den 37 Geretteten nach Hamburg oder Lübeck zu fahren, um sie dort an Land zu bringen, als sie mit drohender Gebärde an der Küste Siziliens in einen italienischen Hafen zu zwingen", sagte er "Spiegel online". Im ZDF wollte er nicht ausschließen, dass die spektakuläre Rettung von Bootsflüchtlingen zumindest teilweise für die Medien inszeniert wurde. (apa/red)

17.7.2004 17:00