Ausnahmezustand im Gaza-Streifen: Lage spitzt sich nach Ende der Geiselaffäre zu
- Vier Franzosen von Kidnappern freigelassen
- Dritte Geiselnahme durch Militante an einem Tag
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Die Sicherheitslage im Gaza-Streifen spitzt sich trotz des unblutigen Endes der jüngsten Geiselaffäre zu. Nach einer Serie von Entführungen hat der Nationale Sicherheitsrat der Palästinenser den Ausnahmezustand über den Gaza-Steifen verhängt. Der Sicherheitsrat verschärfte die Schutzvorkehrungen für Regierungseinrichtungen und verhängte eine Urlaubssperre für alle Angehörigen der Sicherheitskräfte. Kurz zuvor hatten palästinensische Kidnapper vier französische Mitarbeiter einer Hilfsorganisation und einen Palästinenser freigelassen, die in Khan Younis im Süden des Autonomiegebiets verschleppt worden waren.
Entführt worden waren zeitweise außerdem zwei ranghohe palästinensische Sicherheitsbeamte. Der eine von ihnen, Polizeichef Ghazi Jabali, wurde wenige Stunden später wieder freigelassen. Bei der zweiten Geisel handelte es sich um Oberst Khaled Abu Alula, den Leiter der militärischen Koordination im Süden des Gazastreifens. Auch er ist in der Zwischenzeit wieder frei.
Die Entführer, die zu einer Splittergruppe der Fatah-Organisation von Palästinenserpräsident Yasser Arafat gehören, hatten die vier Franzosen aus einer Gaststätte entführt und in das Gebäude des örtlichen Roten Halbmondes verschleppt. In den späten Abendstunden ließen sie die beiden Frauen frei, rund eineinhalb Stunden später waren dann auch die Männer freigekommen, wie das Außenministerium in Paris bestätigte.
Problem auf "interne Weise" gelöst
Nachdem sich Palästinenserpräsident Yasser Arafat, Vertreter der Vereinten Nationen sowie das französische Konsulat in Jerusalem eingeschaltet hätten, seien die Geiseln frei gelassen worden, sagte Abu Kusai, Anführer der militanten Gruppe, der Nachrichtenagentur Reuters telefonisch. "Wir haben das Problem auf interne Weise gelöst, und auf dieser Basis haben wir die beiden verbliebenen Geiseln frei gelassen", sagte Kusai.
Bei den Franzosen handle es sich um Mitarbeiter einer Hilfsorganisation aus der französischen Stadt Evry, hieß es aus dem Konsulat. Die zwei Männer und zwei Frauen seien nach der vierstündigen Geiselnahme in guter Verfassung.
Es war bereits die dritte Geiselnahme durch Militante im Gaza-Streifen in weniger als einem Tag. Wenige Stunden zuvor hatten Bewaffnete auch den Polizeichef des Gaza-Streifens entführt. Die Vorfälle sind die deutlichste Herausforderung an Arafats Autorität über die Region, aus der sich die israelische Besatzungsmacht nach Regierungsplänen demnächst zurückziehen will. Israel wirft Arafat seit langem vor, sich nicht gegen gewalttätige Gruppen unter den Palästinensern durchzusetzen, und dies besonders im Gaza-Streifen. (apa/red)
