Freitag, 16. Juli 2004

Datendiebstahl in Los Alamos: US-Atomlabor nach Pannen geschlossen

  • Direktor schließt Entlassungen nicht aus

Nach zahlreichen Sicherheitspannen im amerikanischen Kernforschungslabor Los Alamos (US-Bundesstaat New Mexico) hat Direktor Pete Nanos den Betrieb der Institution vorübergehend eingestellt. "Dies ist eine Maßnahme, um sicher zu stellen, dass das Labor die nationalen Sicherheitsanforderungen erfüllt", teilte er den Beschäftigten am Wochenende mit.

Nanos zog damit die Konsequenz aus einer ganzen Serie von Zwischenfällen, die das Ansehen des Instituts schwer erschüttert haben. Vergangene Woche verschwanden zwei Datenträger, auf denen Informationen für einen Versuch gespeichert waren. Der Labordirektor machte "Cowboys" dafür verantwortlich, die die Regeln im Umgang mit sensiblem Material nicht einhielten. Erst im Mai hatte man den Verlust von Daten gemeldet, die hätten vernichtet werden sollen. In den vergangenen Monaten gingen insgesamt neun Disketten und ein weiterer Datenträger mit geheimen Material verloren.

Zum jüngsten Zwischenfall in der Anlage, in der die erste Atombombe gebaut wurde, kam es am 14. Juli. Eine Mitarbeiterin zog sich bei einem Versuch eine schwere Verletzung zu. Sie arbeitete mit einem Laser, der ihr ins Auge strahlte und ihre Netzhaut beschädigte.

Die vorübergehende Schließung des Labors sei für die Angestellten eine Gelegenheit, sich ihrer Verantwortung bewusst zu werden und sicher zu stellen, dass sie ihre Arbeit sicher und fehlerfrei erfüllten, sagte Nanos. Er wisse nicht, wie viele Mitarbeiter er entlassen müsse, um die Schlampereien zu stoppen. Die Arbeit jeder Abteilung werde genau untersucht, bevor der Betrieb wieder aufgenommen werde. US-Energieminister Spencer Abraham stellte zwei Spitzenbeamte ab, um die Untersuchungen zu kontrollieren. (apa/red)

16.7.2004 08:51