Freitag, 16. Juli 2004

Labour-Krise verschärft sich: Blair-Partei muss nächste Wahlniederlage einstecken

  • Partei verliert u. a. in ihrer Hochburg Leicester Süd
  • Laut Beobachter Indikator für sinkende Popularität Blairs

In Großbritannien hat die Labour-Party von Premier Blair bei zwei als Stimmungstests geltenden Nachwahlen eine Teilniederlage erlitten. Zwar konnte sie sich im mittelenglischen Birmingham knapp als stärkste Partei behaupten. In dem ebenfalls als Labour-Hochburg geltenden Wahlkreis Leicester Süd siegten allerdings die oppositionellen Liberaldemokraten.

Die Konservativen als größte Oppositionspartei landeten bei den am Donnerstag abgehaltenen Nachwahlen auf dem dritten Platz. Das Votum galt als weiterer Indikator dafür, wie sehr Blairs Popularität im Zuge des Irak-Krieges gelitten hat.

Die Niederlage in Leicester ist für Labour schmerzlich: Die Linkspartei war hier fünf Jahrzehnte fast ohne Pause an der Macht. Der siegreiche liberaldemokratische Kandidat Parmjit Singh Gill warb mit seiner Ablehnung des Irak-Krieges erfolgreich um Stimmen.

In Birmingham konnte sich Labour nach Behördenangaben nur mit weniger als 500 Stimmen vor den Liberaldemokraten behaupten. Beim letzten Votum vor drei Jahren hatte Labour noch mit einer deutlichen Mehrheit von 12.000 Stimmen gesiegt. Die Nachwahlen wurden nötig, weil ein Abgeordneter starb und ein zweiter sein Mandat niederlegte.

Blairs Beliebtheitswerte sind in den vergangenen Monaten deutlich gefallen. Viele Briten lehnen seine Allianz mit US-Präsident George W. Bush im Irak ab. Der von Lord Butler am Mittwoch veröffentlichte Untersuchungsbericht zur Arbeit des britischen Geheimdienstes vor dem Irak-Krieg entlastete die Regierung Blair vom Vorwurf der absichtlichen Fehlinformation, übte aber Kritik am Regierungsstil des Premiers. Bereits bei den Kommunal- und Europawahlen im vergangenen Monat erlitt Labour dramatische Einbrüche in der Wählergunst.
(apa)

16.7.2004 08:10