Donnerstag, 15. Juli 2004

Terrorexperte zu Ende von Bin-Laden-Ultimatum an Europa: 'Kein Grund zur Panik'

  • Tophoven warnt dennoch: "El Kaida plant sorgfältig und setzt diese Pläne üblicherweise um"

Der Ablauf des "Bin-Laden-Ultimatums" an Europa ist kein Grund, "in Angst und Panik zu verfallen." Diese Ansicht vertrat der deutsche Terrorismusforscher Rolf Tophoven Donnerstagabend in der "ZiB 2". Der Experte verwies aber darauf, dass das islamistische Terror-Netzwerk El Kaida sorgfältig plane und diese Planungen üblicherweise auch umsetze.

El-Kaida-Chef Osama bin Laden hatte vor drei Monaten verheerende Anschläge in Europa nach dem 15. Juli angedroht, sollten die europäischen Beteiligten am Irak-Krieg ihre Truppen nicht aus dem Land zurückziehen.

El Kaida habe sich nach den Veränderungen in Afghanistan neu strukturiert, analysierte der Experte weiter. "Bin Laden ist nur noch eine symbolische Kultfigur." Der Kampf gegen den Terrorismus werde aber gerade dadurch erschwert, dass nunmehr viele verschiedene Gruppen völlig autonom von einander agieren würden. "Wenn sie nun beispielsweise die Zelle A in München verhaften, kennt diese nicht die Zelle B, die etwa in Wien aktiv ist."

Tophoven äußerte die Vermutung, dass die Länder Südosteuropas - namentlich nannte er Bulgarien, Rumänien oder Polen - zu neuen Planungs- aber auch Anschlagsorten werden könnten. Dies gehe auch aus Berichten des britischen Geheimdienstes hervor. In abgehörten Mobil-Telefonaten sei El-Kaida-Aktivisten empfohlen worden, dorthin zu gehen.

In diesen Ländern sei das Sicherheitsniveau nicht so hoch wie in Zentraleuropa. Für Terroristen günstige Faktoren seien auch die weit verbreitete Korruption oder die Organisierte Kriminalität. "Dort könnt ihr euch mit den Mafia-Strukturen vernetzen" habe es in einem der Telefongespräche geheißen, so Tophoven. (apa)

15.7.2004 22:42