Folter auch in Guantanamo? Schwedischer
Ex-Gefangener erhebt schwere Vorwürfe!
- In eisiger Kälte 14 Stunden angekettet und sexuell gedemütigt
Ein schwedischer Ex-Gefangener im Lager Guantánamo Bay auf Kuba hat den US-Behörden physische und psychische Folter vorgeworfen. Der 25-jährige Mehdi Ghezali sagte am Mittwoch in einem Rundfunkinterview, er sei unter anderem während eines Verhörs 14 Stunden angekettet eisiger Kälte ausgesetzt gewesen. Auch habe eine Wächterin ihn als streng gläubigen Moslem sexuell zu demütigen versucht.
Als psychische Folter bezeichnete der Schwede die komplette Isolation über zweieinhalb Jahre ohne konkrete Anklagen sowie ohne Briefkontakte oder das geringste Wissen um Ereignisse in der Außenwelt einschließlich der Zeit. Ghezali wurde in der vergangenen Woche freigelassen. Der Oberste Gerichtshof der USA hat mit seinem Erkenntnis, nach dem die Guantanamo-Häftlinge vor amerikanischen Gerichten gegen ihre Inhaftierung klagen können, der Regierung von Präsident George W. Bush eine empfindliche Niederlage zugefügt.
Jener schwedische Staatsbürger, der zweieinhalb Jahre lang als Gefangener der USA auf der Militärbasis Guantanamo verbracht hat, berichtet in einem Interview mit der Tageszeitung "Dagens Nyheter" (Mittwochsausgabe) über die Foltermethoden der Amerikaner.
Er sei im Zuge einer Fernost-Reise im August 2002 in Pakistan von Dorfbewohnern an die örtliche Polizei verkauft worden, berichtet Mehdi Ghezali, der vor einer Woche freigelassen wurde und in Schweden nun auf freiem Fuß ist. Die Polizei habe ihn an die Amerikaner ausgeliefert, die ihn zunächst in ein US-Gefängnis nach Afghanistan gebracht hätten. Dort sei er brutal behandelt und oftmals geschlagen worden.
Nach seiner Überstellung nach Guantanamo - er wusste nicht, wo er sich befand - habe er in den Verhören zunächst ausgesagt und seine Lebensgeschichte mehrmals wiederholt. Danach habe er sich entschlossen, zu schweigen, erzählt Ghezali. Daraufhin hätten die Amerikaner versucht, ihn mit drastischen Methoden erneut zum Sprechen zu bringen.
Er sei zwischen den intensiven Verhören ständig in neue Zellen verlegt worden, wo er stundenlang an Händen und Füßen angekettet worden sei. Zusätzlich hätten die Gefängniswärter die Zelle verdunkelt und die Temperatur darin stark gesenkt. Um seinen Willen zu brechen, habe man Lichtblitze und laute Musik sowie anhaltendes, lautes Rauschen eingespielt.
Die schwedische Staatsanwaltschaft beschloss am Dienstag, keine Voruntersuchung gegen Ghezali einzuleiten, da der Staatsanwalt keine Anhaltspunkte für verbrecherische Handlungen finden konnte. Das habe er auch den Amerikanern gesagt, bekräftigte Ghezali in dem Interview mit "Dagens Nyheter": "Ich bin nicht kriminell". (apa/red)
