Festnahme in deutscher Schmiergeld-Affäre: Ex-Politiker nach 5 Jahren gefasst
- Verteidigungs-Staatssekretär Pfahls in Paris verhaftet
- Er soll von Waffen-Schreiber 1,9 Mio. erhalten haben
Erfolg nach fünf Jahren Suche: Der unter Korruptionsverdacht stehende frühere deutsche Verteidigungs-Staatssekretär Holger Pfahls in Paris festgenommen worden. Der 61-Jährige gilt als Schlüsselfigur in der CDU-Spendenaffäre und soll vom Waffen-Lobbyisten Karlheinz Schreiber umgerechnet 1,9 Mio. Euro Schmiergeld erhalten haben.
Pfahls sei Dienstag um 12.50 Uhr Polizei gefasst worden, sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft, Reinhard Nemetz, in Augsburg. Deutsche Beamte seien unterwegs nach Paris, um die Identität des Festgenommenen zu überprüfen. Pfahls sei im Zuge verstärkter Fahndungsmaßnahmen aufgespürt worden. Nach dem früheren CSU-Politiker wurde seit Jahren international gefahndet. Im Zusammenhang mit einem Panzer-Export 1991 nach Saudiarabien soll Pfahls von dem Waffen-Lobbyisten Karlheinz Schreiber umgerechnet 1,9 Millionen Euro Schmiergeld bekommen haben.
Pfahls war zeitweilig Verfassungsschutz-Präsident und Rüstungs-Staatssekretär im Verteidigungsministerium. Er galt als Vertrauer des langjährigen bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß. Die Staatsanwaltschaft Augsburg ermittelt gegen den früheren CSU-Politiker wegen des Verdachts der Bestechlichkeit, der Untreue und des Betrugs. Diese Ermittlungen hatten die CDU-Spendenaffäre ausgelöst. Nach Erlass eines Haftbefehls wegen des Schmiergeld-Falls tauchte Pfahls 1999 in Asien unter. Mehrfach wurde seither über angebliche Spuren berichtet, Ende Juni aus Frankreich.
Auch in der Affäre um die Privatisierung der ostdeutschen Raffinerie Leuna wird Pfahls gemeinsam mit dem Geschäftsmann Dieter Holzer eine Schlüsselrolle zugeschrieben. Seit seinem Verschwinden vor fünf Jahren wurde immer wieder über den Aufenthaltsort des Juristen spekuliert, auch über seinen angeblichen Tod gab es Berichte. (apa)
