Hochspannung im Kirchen-Sex-Skandal: Polizei übergab Endbericht an Staatsanwalt!
- NEWS: Kinderporno-Konsument bereits ausgeforscht
- Bundespräsident Fischer zeigt sich "betrübt & betroffen"
·Sex-Affäre: Austritte
steigen jetzt stark an
Bis zu 1/3 mehr als normal schwören der Kirche ab
·NEWS: Sex-Skandal im Priesterseminar
Polizei hat Konsument der Kinderpornos ausgeforscht
·Krenn: "Das geht die einen Dreck an"
NEWS: Bischof geht nach Konferenz in die Offensive
·Die BILDER zur Kirchen-Sex-Affäre
Anonym verschickte Fotos lösten Skandal aus
·ALLE REAKTIONEN zum Papst-Entscheid
Krenn: "Begrüße die Entscheidung Roms"
·Bischof Krenn setzt
U-Kommission ein!
"Erwarte baldigmöglichst umfassenden Bericht"
·'Vatikan beobachtet sehr aufmerksam'
Schönborn-Sprecher: Demnächst passiert etwas
·Dieser Brief macht Sex-Affäre publik
Das Schreiben im Wortlaut zum Nachlesen
Hochspannung im Kirchen-Sex-Skandal von St. Pölten. Die Polizei hat ihre Ermittlungen abgeschlossen und übergab am Freitag ihren Bericht an die Staatsanwaltschaft. Wie NEWS bereits am Mittwoch berichtete, dürfte die Polizei den Konsumenten der Kinderpornos ausgeforscht haben. Dabei handelt es sich um den 33-jährigen aus Polen stammenden M. L. Zwischenzeitlich äußerte sich auch Bundespräsident Fischer zum Skandal: "Ich bin betrübt und betroffen!"
Bei den Ermittlungen um das St. Pöltner Priesterseminar hat es offenbar einen ersten Fahndungserfolg gegeben. Nach Angaben von Sicherheitsdirektor Franz Prucher konnte jener Priesteramtsanwärter ausgeforscht werden, der sich aus dem Internet Kinderporno-Bilder heruntergeladen haben soll. Er ist nicht geständig. Der zuständige Bischof Kurt Krenn verbittet sich indessen mit deftigen Worten jede Einmischung seiner Bischofs-Kollegen in der Causa: "Das geht die Bischofskonferenz einen Dreck an", sagt Krenn in "News".
Krenn unter Druck
Kirchenintern kommt Krenn freilich immer stärker unter Druck. Nachdem mehrere Bischöfe Konsequenzen aus der Affäre verlangt hatten, folgte am Mittwoch die erste offene Rücktrittsforderung eines Kirchenmannes. Der Ombudsmann der Erzdiözese Wien für sexuelle Missbrauchsopfer, Helmut Schüller, fordert den Abgang Krenns. "Erst dann ist eine umfangreiche Untersuchung möglich", so Schüller im Ö1-Mittagsjournal. Die abwartende Haltung Roms kritisiert Schüller als "vollkommen unangemessen", damit falle der Vatikan der Ortskirche in den Rücken.
Immer mehr Katholiken wollen austreten
Gleichzeitig kommt Diözesanbischof Krenn kirchenintern immer mehr unter Druck. Die Auswirkungen der Sex-Affäre auf die Kirchenaustritte sind derzeit noch nicht abschätzbar. Fest steht: Zahlreiche Katholiken drohen bereits mit ihrem Austritt. Im Vorjahr sind 39.584 Katholiken ausgetreten, 2002 waren es 39.002 und 2001 33.857. Die größten Austrittwellen mit mehr als 44.000 gab es 1996 als Reaktion auf die Causa Groer und 1999 nach der Abberufung des populären Wiener Generalvikars Helmut Schüller. Fast 39.000 Kirchenaustritte wurden 1998 registriert - eine Reaktion auf den Streit der Bischöfe anlässlich des Berichts der Kirche Österreichs an Rom, von dem sich Bischof Kurt Krenn distanziert hatte. Damals hatte Krenn an die Adresse von Kardinal Christoph Schönborn gesagt: "Die Lügner sollen das Maul halten". Der Leiter der Abteilung Kirchenbeitrag in der Finanzkammer der Erzdiözese Wien, Josef Weiss, bestätigte, dass angesichts der aktuellen Diskussion über die Vorkommnisse in St. Pölten viele Kirchenbeitragszahler ihren Unmut ausdrückten und auch mit dem Kirchenaustritt drohten. Das sei ein "gewohntes Bild". Weiss: "Die Einhebung des Kirchenbeitrags ist leichter und einfacher, wenn die Rahmenbedingungen sympathischer sind." Ob eine neuerliche Austrittswelle droht, ist laut Weiss schwer einschätzbar: "Das kann man noch nicht sagen." Die Sex-Affäre im Priesterseminar hat in St. Pölten selbst bisher nicht zu vermehrten Kirchenaustritten geführt. Laut Auskunft des Magistrats halte man derzeit bei 360 Austritten, was dem Jahresschnitt von rund 600 entspreche.
Bundespräsident ist "betrübt und betroffen"
Er sei "betrübt und betroffen" gewesen, als er von der Sex- und Porno-Affäre am St. Pöltner Priesterseminar erfahren habe, sagte Bundespräsident Heinz Fischer Donnerstag Abend in der "ZiB". Stellungnahmen wie jene des steirische Diözesanbischof Egon Kapellari würden aber "in die richtige Richtung weisen", so das Staatsoberhaupt. (apa/red)
