Sonntag, 18. Juli 2004

Mord im Flüchtlingslager Traiskirchen: Turbulenter 1. Prozess-Tag geht zu Ende

  • Vier moldawische Asylwerber auf der Anklagebank
  • Nächster Termin vorraussichtlich im September

Wie erwartet wurde der Prozess um den Tod eines 24-jährigen Asylwerbers im Flüchtlingslager Traiskirchen am Montag am Landesgericht Wiener Neustadt erneut vertagt - laut vorsitzender Richterin Ingeborg Kristen "voraussichtlich auf September". Der tschetschenische Staatsangehörige wurde am 9. August 2003 im Zuge einer Massenschlägerei zwischen Moldawiern und Tschetschenen dermaßen brutal verprügelt, dass er kurz darauf starb. Vier Moldawier wurden deshalb wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt.

Die Verhandlung hatte bereits am 19. Mai begonnen, musste aber auf Grund der überaus langwierigen Befragungen der Zeugen vertagt werden. Sämtliche Angeklagten, aber auch ein Großteil der einvernommenen Zeugen benötigten einen Dolmetscher. Der heutige Prozesstag verlief zeitweise turbulent, die Rekonstruktion des Tatherganges gestaltete sich - wie erwartet - erneut äußerst mühsam.

Ein Landsmann des Getöteten gab als Zeuge zu Protokoll, die vier Beschuldigten auf Fotos erkannt zu haben, sie wären jedoch nicht die einzigen gewesen, die das später verstorbene Opfer vergeprügelt hätten. Insgesamt sollen "rund zehn Personen" auf den 24-jährigen Mann mit Eisenstangen eingeschlagen haben. Der Einvernommene befindet sich derzeit wegen eines anderen Deliktes ebenfalls in U-Haft. Nach seiner Aussage hat er nun Angst, weil er sich bisher mit Moldawiern eine Zelle teilen musste und dorthin nicht mehr zurück will.

Zur Verhandlung am Montag sind zwei - laut Kristen "wesentliche" - Zeugen nicht erschienen. Ein dritter Mann, der den Vorfall am 9. August 2003 beobachtet haben soll - ebenfalls ein Asylwerber - konnte bisher nicht gefunden werden. Im Gerichtssaal herrschte dennoch überdurchschnittlich viel Bewegung. Immer wieder scharten sich Anwälte, Dolmetscher und auch Zeugen um den Richtertisch. Es wurden Fotos betrachtet und Skizzen angefertigt. Doch wer genau an diesem 9. August im Haus 1 des Flüchtlingslagers Traiskirchen für den Tod des 24-jährigen Tschetschenen verantwortlich ist, blieb weiter ungeklärt.
(apa/red)

18.7.2004 22:23