Sonntag, 18. Juli 2004

Pensions-Harmonisierung: Gusenbauer zeigt sich von Schüssels Aussagen empört

  • Kanzler ist fern der Lebenssituation der Menschen
  • "profil": Fast die Hälfte fühlt sich negativ betroffen

Empört zeigte sich SPÖ-Vorsitzender Gusenbauer im APA-Interview über die jüngsten Aussagen von Bundeskanzler Schüssel zum Thema Pensions-Harmonisierung. Erstens: es sei ausschließlich die Bundesregierung, die die Verantwortung für das vorgelegte Modell trage. Und zweitens: "Es ist ganz offensichtlich, dass der Kanzler in der Pensionsfrage fern der Lebenssituation der Menschen ist."

Mit den Sozialpartnern sei ja keine Einigung zu Stande gekommen, weswegen es auch "nicht korrekt ist, wenn der Kanzler bei jeder kritischen Frage, die ihm gestellt wird, versucht, sich auf die Sozialpartner auszureden", kritisierte Gusenbauer. Und zu seinem zweiten Kritikpunkt: Sich aussuchen zu können, ob man mit 65 oder früher in Pension gehe, in diese Situation kämen viele Menschen erst gar nicht - entweder, weil sie gesundheitlich angeschlagen seien, oder weil sie keine Chance mehr am Arbeitsmarkt hätten.

Verärgert zeigte sich Gusenbauer über das Festhaltens Schüssels an den in der Schwerarbeiterregelung vorgesehenen Abschlägen. "Was er völlig übersieht, und zwar bewusst übersieht, ist, dass bei vielen Schwerarbeitern, die 60 Jahre alt sind und schon 45 Jahre gearbeitet haben, die gesundheitliche Beeinträchtigung schon so hoch ist, dass es sich nicht um eine Freiwilligkeit handelt." Es sei "ungerecht", diesen Menschen Pensionskürzungen zuzumuten, betonte Gusenbauer. Sie sollten abschlagsfrei in Pension gehen können.

Und wenn die FPÖ nun ebenfalls sage, die Schwerarbeiterregelung sei noch nicht zufriedenstellend, dann solle sie entsprechend handeln und der Vorlage im Ministerrat die nötige einstimmige Zustimmung verweigern. (apa)

18.7.2004 09:19