Die lange Sündenliste des Mafiapaten: Killeraufträge, Überfall und Betrug
- Weltweite Fahndung nach Türken-Boss lief seit 2002
Killeraufträge, Überfall und Betrug - die Sündenliste des Türken-Paten ist lang! Der 51 Jahre alte Alaettin C. wurde von türkischen Gerichten gesucht, seit 2002 lief eine Interpol-Fahndung.
Den Namen Alaattin Cakici kennt in der Türkei jedes Kind - es ist ein Name, der den Menschen einen Schauer über den Rücken jagt. Cakici gilt nicht nur als rücksichtsloser Gangsterboss, der morden, verprügeln und erpressen lässt; sogar seine eigene Frau soll er auf dem Gewissen haben. Ihm werden auch erstklassige Verbindungen zu Gewährsleuten im türkischen Staatsapparat nachgesagt - nur so ist es für die türkische Öffentlichkeit zu erklären, dass Cakici immer wieder um längere Haftstrafen herumkam und Anfang Mai sogar aus dem Land fliehen konnte, obwohl alle Grenzposten gewarnt waren.
Der heute 51-jährige Cakici war in den siebziger Jahren Mitglied einer jener rechtsextremen Banden, die damals teilweise mit Duldung staatlicher Stellen regelrecht Jagd auf Anhänger der Linken machten: 91 Menschen sollen allein dem Terror von Cakicis Truppe zum Opfer gefallen sein. Nach dem Putsch von 1980 verlegte sich Cakici auf Auftragsmorde, Glücksspiel und Erpressungen.
"Staatsfeinde" aus dem Weg geräumt
Auch im so genannten Susurluk-Skandal soll Cakici eine Rolle gespielt haben. Diese Affäre kam durch einen Verkehrsunfall 1996 in der Nähe der westtürkischen Stadt Susurluk ans Tageslicht - ein Politiker, ein Gangster und ein hoher Polizeibeamter wurden damals aus den Trümmern des Wagens gezogen, in dem sie zusammen unterwegs gewesen waren. Ermittler kamen zu dem Schluss, dass sich die Sicherheitskräfte der Hilfe von Verbrecherbanden bedienten, um angebliche "Staatsfeinde" aus dem Weg zu räumen.
Cakici fühlte sich jedenfalls sicher genug, dass er den stellvertretenden Polizeichef von Istanbul mit dem Tode bedrohte, bevor er sich ins Ausland absetzte. Im August 1998 wurde er in Frankreich gefasst - damals hatte er einen türkischen Diplomatenpass bei sich - und wurde an die Türkei ausgeliefert. Allerdings musste sich die Türkei dabei verpflichten, Cakici nicht wegen jener Delikte vor Gericht zu stellen, für die damals noch die Todesstrafe galt. Deshalb kam er nach einer kurzen Zeit im Gefängnis wieder auf freien Fuß.
Schengen-Visum durch Fußballklub
Cakici blieb aber weiter in der Kriminellen-Szene aktiv. Erst vor kurzem wurde er erneut verurteilt, weil er einen Überfall auf eine rivalisierende Bande angeordnet haben soll. Ihm drohte zwar auch diesmal keine lange Haftstrafe, doch Cakici ergriff lieber erneut die Flucht ins Ausland. Durch die tatkräftige Hilfe von Managern des bekannten Istanbuler Fußballclubs Besiktas soll er sogar ein Schengen-Visum erhalten haben. Vom südtürkischen Antalya aus reiste er Anfang Mai über Griechenland nach Italien.
Nun rechnet die Türkei mit einer raschen Auslieferung aus Österreich - schließlich ist die Todesstrafe abgeschafft. Diesmal kann Cakici deshalb in der Türkei auch für schwerere Delikte vor Gericht gestellt werden, unter anderem für den mutmaßlichen Mord an seiner Ex-Frau im Jahr 1995. Bei einer Verurteilung müsste Cakici dann mit lebenslänglicher Haft rechnen - wenn er nicht wieder willige Helfer findet. (apa/red)
