Dienstag, 9. November 2004

Der Mann, der das Jackett neu erfand: Giorgio Armani wurde am 11. Juli 70 Jahre!

  • Bei Armani durften Sakkos erstmals knittern!
  • Er kombinierte das T-Shirt zum Business-Anzug!

"Manchmal bin ich dieses Armani-Stils überdrüssig", sagte Giorgio Armani einmal über sich selbst. "Ich fühle mich gefangen im eigenen Klischee". Das klang wie Resignation, wie die Sehnsucht nach Ausbruch und Neuanfang. Doch er ist seinem Stil wie seinen Geschäften treu geblieben, launenhafte Trends und flatterhafte Moden waren ihm immer ein Gräuel....

Giorgio Armani wurde am 11. Juli 70 Jahre alt - äußerlich hat er sich kaum verändert. Ein Ende seiner Karriere ist nicht abzusehen - eine neue "Armani-Revolution" ebenso nicht.

Herrenjackett & T-Shirt neu
Giorgio Armani - das ist der Mann, der das Herrenjackett neu erfand. Das war in den achtziger Jahren, und wie die meisten genialen Erfindungen, war sie im Kern ganz simpel: Er nahm den Anzugstoffen ihre Steifheit. Das Ganze wurde weicher, fließender, lässiger. Es darf ruhig etwas knittern, hieß die Botschaft. Die Branche sprach etwas aufgeplustert vom "Giacca destrutturata", vom "dekonstruierten Jackett". Die zweite "Armani-Revolution" war die Sache mit dem T-Shirt. Noch simpler, noch genialer: Das "kragenlose Hemd", wie es die Branche zunächst verschämt nannte, durfte auch zu Anzug und Blazer getragen werden. Möglichst natürlich in dunklen Farben, auf alle Fälle aber von feiner Qualität - und zu gehobenem Preis.

1975 gründete er mit seinem inzwischen gestorbenen Lebensgefährten eine eigene Firma. "Als ich anfing, gewann gerade das Pret-a-Porter an Bedeutung." Armani verstand das Signal: "Ich mache Mode, die tragbar ist, alltagstauglich." Insider nannten den Hang zum Schlichten "Minimalismus" oder "Purismus". Auffällig unauffällig sind seine Kreationen, für die Träger ist dabei mitunter das Label nicht das Unwichtigste.

Milliarden-Euro-Unternehmen
Heute hat Armani ein Milliarden-Euro-Unternehmen mit weltweit über 2.000 Filialen. Seine Anzüge werden auch von 50-Jährigen mit Bauchansatz getragen, seine Jeans sind auch in Kaufhäusern zu haben, längst hat sich Workaholic Armani auf das einträgliche Geschäft mit Parfum, Brillen und Schmuck verlegt. Während andere Luxus-Labels in der Krise stecken, steigerte Armani vergangenes Jahr seinen Gewinn um 14 Prozent. Statt sich mit 70 langsam zur Ruhe zu setzen, investiert er in Luxushotels, unter anderem in Dubai.

Sprücheklopfer
Fast so gut wie Armanis Mode sind seine Sprüche. "Der Platz für die spärlich bekleidete Frau ist das Schlafzimmer", feixte er einmal. Tatsächlich zieht er Frauen am liebsten "richtig" an. Am besten im strengen Kostüm. Und verwandelt die Frau zur "Business-Lady".

Seinen Geburtstag hat Armani schon vorgefeiert, wie es sich für einen ganz Großen der Modebranche gehört, natürlich auf der Mailänder Modewoche, dort, wo er in seiner gigantischen Villa "Fortezza Armani" residiert.

(apa/red)

9.11.2004 18:35