Mittwoch, 7. Juli 2004

Das war Thomas Klestil (1932 bis 2004) -
Ein Land nimmt Abschied

  • Er hat sein Leben dem Amt geopfert, sagt Klestils langjähriger Arzt Reinhard Mörz

Dienstag, 23.33 Uhr. Nur 36 Stunden vor der Übergabe seines Amtes stirbt Bundespräsident Thomas Klestil. Obwohl ihm die Ärzte geraten hatten, früher zurückzutreten und sich im Spital behandeln zu lassen, wollte er bis zum Ende durchdienen. Klestil wusste um seine lebensbedrohende Krankheit Bescheid – ins Spital wollte er aber erst nach Ablauf seiner Amtszeit gehen.

Sein Hausarzt, Reinhard Mörz, ein jahrelanger Freund und Betreuer, zieht mit stockender Stimme seine ganz persönliche Bilanz: „Er hat sich für die Republik aufgeopfert. Das war unglaubliches und kaum beschreibbares Pflichtbewusstsein.“
In der Nacht auf Mittwoch, genau um 23.33 Uhr und 36 Stunden vor der geplanten Amtsüber-gabe, hatten die Ärzte im AKH den Kampf um das Leben des Präsidenten aufgeben müssen.

Die Dramatik seines eigenen Zustandes war dem Präsidenten seit Wochen bekannt. In der Vorwoche blieb auch den Mitarbeitern der Präsidentschaftskanzlei die rapide Zustandsverschlechterung „des Chefs“ nicht mehr verborgen: Kurzatmigkeit – stärker als sonst; Schweißausbrüche – öfter als sonst; Müdigkeit – ausgeprägter als sonst. Aber wie schon so oft in den vergangenen Tagen, Monaten, Jahren überspielte Thomas Klestil auch diesmal wieder seine Befindlichkeit mit demonstrativer Hyperaktivität.

Ein schwerst kranker Mann wollte noch in den letzten Tagen seines Amtes das sein, was er im Wahlkampf 1992 zu werden versprach: ein aktives Staatsoberhaupt.

Das Gespräch. In der Vorwoche kam es zur entscheidenden Unterredung zwischen Mörz und seinem Patienten. Der Kardiologe Mörz (nebstbei Chefarzt des Innenministeriums) klärte Klestil in allen Details über Schwere und Folgen seines Leidens auf: Alle Befunde würden auf eine ernste Herzkrankheit hindeuten. Der Herzmuskel sei – im Gefolge einer seit Jahren chronischen Lungenkrankheit – bereits schwer geschädigt, die Arteriosklerose der Herzkranzgefäße manifest. Eine invasive Herzuntersuchung (Katheterangiografie durch Vorschub einer Sonde durch die Arterien bis ans Herz) sei dringlichst und nicht mehr länger aufschiebbar. Die Fortsetzung der Amtsgeschäfte wäre unter diesen Umständen lebensgefährlich.
Geduldig hörte sich Klestil die Warnungen seines langjährigen Arztes an. „Nein“, sagte er dann: „Ein Krankenstand kommt für mich derzeit nicht infrage. Solange ich Bundespräsident der Republik Österreich bin, übe ich das Amt aus. Danach können die Ärzte über mich verfügen. Aber nicht einen einzigen Tag zuvor.“

Einmal noch insistierte Mörz, beschwor er die Dramatik des Befundes, ehe er resigniert zum Telefonhörer griff: Für den 12. Juli wurde mit dem Wiener Allgemeinen Krankenhaus ein Angiografietermin vereinbart. Mit dem Internisten Wolfgang Graninger wurde ein umfangreicher Check mit anschließender Therapie vereinbart.

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und AKH-Direktor Professor Reinhard Krepler
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7.7.2004 15:52