Samstag, 10. Juli 2004

Schauspielerin Inge Meysel ist tot! Deutsche verstarb im Alter von 94 Jahren

  • Hamburgerin erlag in ihrem Haus einem Herzstillstand
  • Meysel Deutschlands populärste Volksschauspielerin

Deutschlands populärste Volksschauspielerin, Inge Meysel, ist tot. Die als "Mutter der Nation" bekannt gewordene Schauspielerin starb am Samstagmorgen im Alter von 94 Jahren in ihrem Haus in Bullenhausen bei Hamburg, berichtete ihr Betreuer Peter Knuth. "Inge starb friedlich im Schlaf. Sie hatte keine Schmerzen, als sie von uns gegangen ist", sagte er. Sie habe einen Herzstillstand erlitten.

Seit den sechziger Jahren stand das Fernsehen im Mittelpunkt ihrer Karriere. Vielen ist Inge Meysel, die meist resolute Frauengestalten des Alltags darstellte, vor allem als Käthe Scholz aus der TV-Serie "Die Unverbesserlichen" unvergessen.

Die gebürtige Berlinerin galt schon zu Lebzeiten als Legende der deutschen Fernseh- und Theaterunterhaltung. Bis zuletzt machte Meysel neben ihrer schauspielerischen Tätigkeit auch als sozialkritisch engagierte Zeitgenossin von sich Reden. Die temperamentvolle Schauspielerin lebte seit langem allein in ihrer Villa am Elbdeich.

Die 1910 in Berlin als Tochter eines jüdischen Tabakhändlers und einer Dänin geborene Meysel kam nach dem zwölfjährigen Auftrittsverbot bei den Nazis 1945 ans Hamburger Thalia Theater. In den folgenden Jahren besetzte sie vorwiegend das Fach der Salondame im Boulevard. Die Lebens- und Arbeitsgemeinschaft mit ihrem zweiten Mann, dem Regisseur John Olden, brachte sie ins Charakterfach. Mit "Das Fenster zum Flur" von Curt Flatow kam 1959 der große Bühnen- und Fernseherfolg. Seit den Sechzigern arbeitete Meysel fast nur noch fürs Fernsehen.

Am 28. April dieses Jahres hatte sie bei einem Sturz einen komplizierten Oberschenkelbruch erlitten und war noch am Abend desselben Tages operiert worden. Am 13. Mai war sie wegen Demenzerscheinungen in die Neurologie verlegt worden und eine Woche später aus der Klinik entlassen worden.

Ihren 94. Geburtstag feierte Meysel am 30. Mai in ihrem Haus an der Elbe mit ihren letzten Angehörigen - ihrer Nichte und deren Mutter - sowie mit ihrer Anwältin und ihrem Betreuer Knuth und dessen Frau. Meysel hatte ihren Manager zuletzt immer "Papa" genannt. "Das ist so schrecklich, dabei könnte man heulen", hatte Knuth in der vergangenen Woche in einem Interview berichtet. Die 94-Jährige habe nur noch selten gesprochen, dann meist über ihre verstorbene Mutter.
(apa)

10.7.2004 15:12

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