Der jahrelange Machtkampf um den russischen Ölkonzern Yukos
- Inhaftierte Eigner und Milliarden-Steuerforderungen
- Zuletzte Probleme mit westlichen Banken
Beschlagnahmte Rechner, eingefrorene Konten, verhaftete Eigner und milliardenschwere Steuerforderungen: Seit fast einem Jahr setzen die russischen Behörden den Ölkonzern Yukos und seinen Gründer Michail Chodorkowski massiv unter Druck. Inzwischen steht der Konzern am Rand der Pleite. Kritiker sehen hinter dem Vorgehen der Justiz die Auswüchse eines erbitterten Machtkampfs zwischen dem auch politisch engagierten Chodorkowski und Kreml-Chef Wladimir Putin.
2003
2. Juli:
Platon Lebedev, Yukos-Großaktionär und enger Vertrauter von Chodorkowski, wird verhaftet. Die Behörden werfen ihm vor, im Zuge einer Firmenprivatisierung Aktien unterschlagen zu haben.
11. Juli:
Razzien in der Konzernzentrale und in den Archiven von Yukos
25. Oktober:
Chodorkowski wird verhaftet. Dem reichsten Mann Russlands werden Betrug, Steuerhinterziehung und Dokumentenfälschung vorgeworfen. Die US-Regierung zeigt sich besorgt über das "selektive" Vorgehen der russischen Justiz.
30. Oktober:
Die Moskauer Staatsanwaltschaft beschlagnahmt mehr als 40 Prozent der Yukos-Aktien. Weil der russische Stabschef Alexander Woloschin die Festnahme Chodorkowskis kritisiert, wird er von Putin entlassen.
3. November: Chodorkowski tritt als Konzernchef zurück. Nachfolger wird der russischstämmige US-Manager Simon Kukes. Putin versichert, dass die Privatisierungspolitik in Russland nicht in Frage gestellt werde.
28. November:
Der Sibneft-Konzern sagt die geplante Fusion mit Yukos zum weltweit viertgrößten Ölproduzenten ab.
2004
11. März:
Die Privatkonten der wichtigsten Yukos-Aktionäre in der Schweiz werden auf Verlangen der russischen Justiz gesperrt.
15. April:
Ein Gericht friert das Vermögen des Konzerns ein.
22. April:
Razzia der Steuerfahndung am Yukos-Sitz
26. Mai:
Ein Moskauer Gericht verdonnert den Konzern zur Nachzahlung von umgerechnet 2,8 Mrd. Euro Steuern für das Jahr 2000. Yukos warnt daraufhin vor einer möglichen Insolvenz noch vor Jahresende.
16. Juni:
In Moskau beginnt das Verfahren gegen Chodorkowski und Lebedew.
24. Juni:
Der Duma-Abgeordnete Viktor Geraschtschenko, Ex-Präsident der russischen wie auch der sowjetischen Zentralbank, löst Kukes als Yukos-Chef ab.
1. Juli:
Nach einer Gerichtsentscheidung wird dem Unternehmen ein Vollstreckungsbefehl über die Steuerschuld von 2,8 Mrd. Euro für 2000 zugestellt. Die Geschäftskonten von Yukos werden eingefroren. Zugleich fordern die Finanzbehörden weitere 2,8 Mrd. Euro Steuernachzahlungen für 2001, die aber noch gerichtlich bestätigt werden müssen.
3. Juli:
Die Polizei durchsucht die Konzernzentrale in Moskau und beschlagnahmt Computerserver. Nach Yukos-Angaben ist damit die Ölproduktion bedroht.
4. Juli:
Erste Gläubiger setzen Yukos formell in Zahlungsverzug, weil der Konzern fällige Raten für einen Kredit über eine Mrd. Dollar (823 Mio. Euro) nicht zahlen kann.
(apa)
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