Arbeitszeit-Diskussion geht weiter: Ist der 12-Stunden-Tag bald die Norm?
- Magna-Aufsichtsratschef Wolf wünscht sich Normal-
- arbeitszeit von 10 und bei Bedarf sogar 12 Stunden
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IV-Chef Sorger sorgt mit Vorschlägen für Aufregung
Die Diskussion um die Arbeitszeit nimmt kein Ende. Bernhard Felderer, Leiter des Institus für Höhere Studien (IHS), betonte, dass eine Ausweitung der Arbeitszeit etwas mehr Arbeitsplätze bringen würde. Wichtiger sei aber eine Flexibilisierung. Für Veit Sorger, Chef der Industriellenvereinigung, dürfe es "keine Tabus geben" und Magna-Aufsichtsratschef sprach von einer Normalarbeitszeit von 10, bei Bedarf gar 12 Stunden
Das Thema werde, so Felderer in der TV-Sendung "Offen gesagt", im übrigen überbewertet, da "wir seit 1994 ständig mit den Lohnabschlüssen unter den Produktivitätsfortschritten liegen und sich die Kosten auch gegenüber den östlichen Nachbarn permanent verbessert haben", so Felderer. Die Lohnkosten in der Industrie würden überdies nur 10 bis 15 Prozent der Gesamtkosten ausmachen.
In der entspannt geführten Diskussion zur Arbeitszeitverlängerung forderten die Industrievertreter mehr Spielraum für die einzelnen Betriebe. Die Belegschaftsvertreter hingegen sahen in dem Vorstoß der Wirtschaft eine "de facto Lohnkürzung" durch weniger anfallende Überstunden, um Gewinne und Dividenden auf Kosten der Arbeitnehmer zu erhöhen. Positive Nachrichten gab es von Felderer: Die bisherigen Wirtschaftszahlen des heurigen Jahres würden "exzellente Auftragseingänge und Exporte" in Österreich aufweisen.
Die Industrievertreter in der Diskussionsrunde, der neue Präsident der Industriellenvereinigung (IV), Veit Sorger, sowie Siegfried Wolf, Aufsichtsratschef des Autozulieferer Magna International, bekräftigten ihre Forderung nach einer Arbeitszeitausweitung, betonten aber die Rolle der Sozialpartner in diesem Prozess. Eine Ausdehnung der Arbeitsstunden sei besonders für Betriebe mit geringer Wertschöpfung wie der Textilindustrie von Bedeutung, so der IV-Chef
"Es darf keine Tabus geben", so Veit Sorger, eine Arbeitszeitverlängerung sei nur ein Teil eines Bündels von Maßnahmen, über die man nachdenken müsse. So hätte die Zusammenlegung von Feiertagen "Charme", wenn dies auch kaum durchsetzbar sei, erklärte der IV-Chef.
Für die ÖGB-Frauenvorsitzende Heidrun Silhavy stellen derartige Überlegungen einen "Rückschritt in die Vergangenheit" dar, eine Arbeitszeitverlängerung würde nicht dazu führen, dass der Wirtschaftsstandort gestärkt werde. Unterstützung erhielt sie dabei von Felderer. "Die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber der Slowakei wird durch Arbeitszeitverlängerung nicht automatisch besser", so der IHS-Chef. Er verwies darauf, dass es in Österreich in den vergangenen Jahren eine "Lohnzurückhaltung" gegeben habe.
Siegfried Wolf meinte dazu, dass man mit Billigprodukten ohnehin gegenüber Niedriglohnländern nicht wettbewerbsfähig sein könne. Um den Anforderungen der Globalisierung gerecht zu werden, wünschte er sich aber eine Tages-Normalarbeitszeit von zehn Stunden, die bei Bedarf auch auf zwölf Stunden ausgedehnt werden könne.
In seinem Unternehmen gebe es 20 verschiedene Arbeitszeitmodelle, die internationalen Herausforderungen würden aber eine weitere Flexibilisierung erfordern, so der Manager. Eine Diskussion nur um die Arbeitszeit greife jedoch zu kurz, denn grundsätzlich werde in Österreich "die Arbeit bestraft". Wolf nannte in diesem Zusammenhang Steuern und Lohnnebenkosten.
Eine betriebsinterne Regelung wie bei Siemens Deutschland und wie von Sorger und Wolf gefordert, lehnte der Zentralbetriebsrat von Siemens Österreich, Friedrich Hagl, ab. "Wir haben intelligentere Lösungen wie Gleitzeit im Schichtbetrieb", so Hagl. Eine längere Arbeitszeit bringe "gar nichts", sie schaffe nur mehr Arbeitslose. (apa/red)
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