Ein Land versinkt in Tränen: Traurige Portugiesen als faire EM-Final-Verlierer
- Scolari bittet um Vergebung und lobt Rehhagels Taktik
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Ist Griechenland ein verdienter Europameister?
Die Niederlage tat unendlich weh, doch Portugals gestrauchelte Fußball-Helden bewiesen im bittersten Moment wahre Größe und präsentierten sich als faire Verlierer. Als Griechenlands Kapitän Theodoros Zagorakis im Stadion des Lichts die Trophäe in die Höhe stemmte, den eigentlich sie erobern sollten, standen Figo und Co. tapfer Spalier. Sie verdrückten sich die Tränen oder weinten - wie der 19-jährige Jungstar Cristiano Ronaldo.
Doch sowohl auf dem Platz als auch auf den Rängen verließ kaum einer die Zeremonie vorzeitig, obwohl für die EM-Gastgeber die erste Niederlage in Lissabon seit 17 Jahren und der Konfettiregen in den griechischen Landesfarben blau-weiß kaum zu ertragen waren. Die enorme Erwartungshaltung, die sich im eigenen Land in den Tagen vor dem Endspiel aufgebaut hatte, fiel wie ein Kartenhaus zusammen. "Es tut mir Leid, dass wir Portugal diesen letzten Sieg nicht schenken konnten", sagte Kapitän Figo mit tieftrauriger Miene.
Die Medaille, die ihm vor den Augen von Portugals Fußball-Legende Eusebio um den Hals gehängt worden war, nahm der 31-Jährige sofort wieder ab und steckte sie in die Tasche. Silber war nicht das, was sich der Anführer der "Goldenen Generation" als Krönung vorgestellt hat. "Es war eine große Gelegenheit für mich, für meine Teamkollegen, die alles in dieses Turnier gesteckt haben - und für die Leute im Land, die uns derart unterstützt haben", meinte der Mittelfeldstar von Real Madrid.
Scolari bittet um Fans Vergebung
"Wir bitten alle Portugiesen um Vergebung, weil wir nicht in der Lage waren, ein Tor zu schießen. Das schmerzt", sagte Trainer Luiz Felipe Scolari, der nach dem Schlusspfiff seinen Gratulationszug bei Schiedsrichter Markus Merk begann und bei Otto Rehhagel beendete. "Glückwunsch an meinen Kollegen", sagte der Brasilianer. Und: "Die Griechen haben eine wunderbare Abwehr, sie nutzten unsere Fehler aus und haben ein Tor gemacht. Also haben sie verdient gewonnen."
Scolari verlor kein böses Wort über Rehhagels Mauertaktik, sondern nahm die Schuld für das Scheitern auf seine Kappe. "Die Griechen haben das ganze Turnier so gespielt und hatten damit Erfolg. Es ist jetzt unsere Aufgabe und jene für alle offensiven Teams, einen Weg gegen solche Systeme zu finden."
Rehhagels Taktik passte haargenau
Dem brasilianischen Weltmeister-Trainer von 2002 fiel auch im zweiten Versuch nur wenig gegen Rehhagels Taktik ein. Scolari probierte es wie bei der 1:2-Niederlage im Eröffnungsspiel wieder mit Pauleta als einziger Spitze, die wirkungslos verpuffte. Sein Team agierte ähnlich hilf- und einfallslos wie drei Wochen zuvor, kam kaum zu Torchancen und geriet in der Schlussphase mehr und mehr in Panik.
"Natürlich bin ich mit dem Resultat nicht zufrieden. Aber ich möchte den Portugiesen auch zurufen, dass dies für uns nicht das Ende der Geschichte ist", meinte Scolari und richtete den Blick nach vorn: "Wir werden weiterarbeiten und irgendetwas in der Zukunft gewinnen." Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich in zwei Jahren bei der Weltmeisterschaft in Deutschland. Ob bis dahin auch Figo weitermacht, will der Kapitän erst nach seinem Urlaub entscheiden.
"Ich glaube, wir haben uns nichts vorzuwerfen und sind mit den Fans im Reinen", sagte Figo. Die Bilder, die das Fernsehen in der Nacht übertrug, scheinen dem 31-Jährigen Recht zu geben. Das große Freudenfest blieb zwar landesweit aus, doch viele Portugiesen fanden sich nach dem ersten Frust recht schnell mit dem zweiten Platz ab. Schließlich hatten nach dem Eröffnungsspiel die Wenigsten geglaubt, dass es ihre Mannschaft überhaupt so weit bringen würde. (apa/red)
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