Mittwoch, 7. Juli 2004

ÖFB-Boss Stickler fordert Aufstockung der
Liga: "Die Zehnerliga ist gescheitert"

  • Zehnerliga für Friedrich Stickler kontraproduktiv
  • Bundesliga: "Kein Thema, das ist nicht finanzierbar"

Friedrich Stickler fordert eine Aufstockung der heimischen T-Mobile-Bundesliga. "Die Zehnerliga ist gescheitert, mit Sicherheit zu klein, ein Umdenken und rasches Handeln sind notwendig", sagte Stickler auch unter dem Eindruck seiner in Portugal gewonnen Eindrücke. Mit der großen Zahl an Legionären, komme der eigene Nachwuchs abhanden. "Und Top-Legionäre sind für unser Klubs unbezahlbar", meint er.

Nach der "schweren Geburt" in der Red Zac-Erste Liga, die ab der Saison 2005/06 von zehn auf zwölf Vereine vergrößert wird, würde der Lotterien-Boss in Zukunft zum Thema Aufstockung wie ein Wasserfall reden. Und natürlich mit der Bundesliga Gespräche führen. "Wir müssen die Anreize verstärken, damit junge Spieler eingesetzt werden. Ich fordere unsere Trainer und Klubpräsidenten auf, jungen Spielern Vertrauen und Geduld entgegenzubringen."

Wenn Österreichs Team in der EM-Endrunde 2008 im eigenen Land bestehen wolle, müsse man den Weg der Jugend gehen. Die EURO 2004 habe auch bewiesen, dass sogar 18-Jährige in großen Mannschaften Führungsrollen einnehmen können. "Es ist ein deutlicher Hinweis, dass es nicht sein kann, dass in Österreich Spieler 22 Jahre werden müssen, um in Kampfmannschaften eingesetzt zu werden", meint Stickler, der nicht zuletzt deshalb, die aktuelle Liga-Größe als "zu klein" ansieht.

Bei nur zehn Vereinen würden viele Klubs rasch in Abstiegsgefahr geraten. "Eine Zehnerliga ist kontraproduktiv, weil in höchster Not schnell eingekauft würde. Um das Problem der Legionäre, das nicht nur Österreich betrifft, in den Griff zu bekommen, haben die Präsidenten und Generalsekretäre der UEFA-Mitgliedsländer auf ihrer Konferenz in Lissabon durch den Europa-Verband Hilfeleistung erhalten. Die UEFA plant die Zahl der Legionäre mit sieben und die Zahl der Kaderspieler mit 25 Akteuren pro Mannschaft zu begrenzen.

Diesbezügliche Verhandlungen würden mit der EU bereits geführt. "Wir werden alles tun, damit eine entsprechende Regelung dann auch in Österreich umgesetzt wird", kündigte der ÖFB-Präsident an. Stickler, der verspricht, des Redens nicht müde zu werden, hofft und appelliert an die Vernunft der heimischen Funktionäre. "Die Fans brauchen die Identifizierung mit ihrem Verein, und das geht nur mit jungen, österreichischen Spielern!"

Bundesliga-Vorstand Kornhoff: "Kein Thema"
"In Teilen der Bundesliga wurden auch Überlegungen angestellt, doch gibt es einen vor zwei, drei Monaten gefassten Beschluss der Präsidenten-Konferenz, dass man über eine Aufstockung nicht nachdenken soll, weil die Zehnerliga die optimale Form darstellt", erteilt Bundesliga-Vorstand Thomas Kornhoff dem Stickler-Vorstoß eine Absage.

Die Liga habe mit den Klubmanagern und Sportdirektoren ein Modell mit 16 Vereinen in der obersten Spielklasse auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten diskutiert und dabei alle Für und Wider gegenübergestellt. Kornhoff verhehlt jedoch nicht, dass er persönlich an einer Liga mit mehr als zehn Klubs Gefallen fände und Partien von Großen gegen Kleine auch ihre besonderen Reize hätten.

"Für zwei 16er-Profi-Ligen gibt es aber keinen Platz, weil nicht finanzierbar. Wenn, dann sollte man gleich auf 18 Vereine mit drei Ab- und Aufsteigern mit den Regionalligen gehen." Den Ansätze von Stickler betreffend der Forcierung der Jugend und den Bestrebungen der UEFA, die Legionäre pro Mannschaft auf sieben zu limitieren, steht Kornhoff positiv gegenüber.
(apa/red)

7.7.2004 11:35