Donnerstag, 8. Juli 2004

Nach Geständnis von neun Morden: Fourniret streitet weitere Verbrechen ab

  • Untersuchungen laufen aber in 42 ungeklärten Fällen
  • Plus: BILDER des Horror-Schlosses in Frankreich!

Nach dem Geständnis von neun Morden streitet der vorbestrafte Vergewaltiger Michel Fourniret weitere Vorwürfe hartnäckig ab. Belgische Fahnder vernahmen den 62-Jährigen am Donnerstag in Dinant erneut fast vier Stunden lang. Sie vermuten weitere Verbrechen des Franzosen und weiteten die Untersuchung aus. Ein mutmaßliches Opfer konnte unterdessen identifiziert werden. Bei der Leiche handle es sich um die 22-jährige Jeanne-Marie Desramault. Die Studentin war am 18. März 1989 verschwunden.

Fourniret weicht nach Angaben seines Anwalts jedoch "keinen Jota" von seinen früheren Aussagen ab. Er widerspreche Angaben seiner Frau zur Ermordung eines unbekannten Au-Pair-Mädchens im Jahr 1993.

Die Ermittler bezweifeln, dass der vorbestrafte Triebtäter - wie er selbst sagt - in den neunziger Jahren kein einziges Verbrechen begangen hat. Die französische Justiz prüft in rund 30 ungeklärten Fällen verschwundener Personen in Frankreich, ob diese mit Fourniret in Verbindung stehen könnten. Die belgischen Fahnder untersuchen zwölf nie geklärte Fälle neu.

"Es würde mich nicht wundern, wenn Fourniret für einige davon verantwortlich ist", sagte der Serienmord-Experte Stephane Bourgoin der Zeitung "De Morgen". Eine zehnjährige Pause hält der Buchautor für ausgeschlossen: "Es ist unmöglich, dass er in dieser Periode keine Opfer gehabt hat." Die versuchte Entführung einer Brüsseler Krankenschwester und einer 14-Jährigen im belgischen Gedinne wiesen darauf hin, dass Fourniret auch von 1990 bis 2000 aktiv gewesen sei.

"Auch die deutschen und niederländischen Polizeidienste sind interessiert, und das nicht zu Unrecht", betonte der Mitarbeiter der Akademie der Gendarmerie Nationale in Paris. Spontane Geständnisse Fournirets erwartet Bourgoin nicht: "Er ist in ein Machtspiel mit seinen Ermittlern verwickelt und wird nur dann reden, wenn handfeste Beweise gegen ihn vorliegen, oder wenn er nicht mehr entkommen kann, wie bei den neun Beschuldigungen seiner Frau. Die waren so detailliert, dass er keinen Ausweg mehr hatte."
(apa)

8.7.2004 15:57