Nach Tremonti-Rücktritt: Berlusconi will Ministerium selbst für einige Monate leiten
- Durchführung der Finanzreform unter seiner Leitung
- Möglicher Kandidat Mario Monti lehnte Amt ab
·Italien: Wirtschafts- minister tritt zurück
Berlusconi wird Ressort zunächst selbst führen
·Kein blauer Brief für Italiens Defizit!
EU-Minister glauben an
Berlusconis Sparwillen
·Italien: Krise in Berlusconi-Koalition
Lega Nord droht mit vorge- zogener Parlamentswahl
·Wahlniederlage für Berlusconi-Partei
Italien: Mitte-Links-Allianz siegt bei Kommunalwahl
Die Suche nach einem Nachfolger für den am Samstag zurückgetretenen italienischen Wirtschaftsminister Tremonti verzögert sich. EU-Wettbewerbskommissar Monti hat offenbar keine großen Ambitionen, in die Regierung nach Rom zu wechseln und dort das gewichtige Ministerium zu übernehmen. Wahrscheinlich wird Ministerpräsident Berlusconi für einige Zeit das Wirtschaftsressort selbst mitbetreuen.
Berlusconi war am Sonntagabend mit Monti in Mailand zu einem Abendessen zusammengetroffen. Indiskretionen zufolge zeigte sich der EU-Kommissar nicht bereit, den heiklen Posten des Wirtschaftsministers anzunehmen. Dem parteiunabhängigem Techniker werden Sympathien für das Mitte-Links-Lager von EU- Kommissionspräsident Prodi, Berlusconis politischem Erzrivale, nachgesagt. Monti sei nicht besonders an einem Eintritt in die Mitte- Rechts-Regierung interessiert, er hoffe vielmehr, von Italien ein drittes Mandat als EU-Kommissar in Brüssel zu erhalten, hieß es.
Laut italienischen Medien sei Berlusconi angesichts der Schwierigkeiten, einen prestigereichen Nachfolger für Tremonti zu finden, entschlossen, selbst für mehrere Monate das Wirtschaftsministerium interimistisch zu leiten. Der Medienzar könnte das Ministerium bis zum Inkrafttreten einer umstrittenen Steuerreform im kommenden Jahr als Wirtschaftsminister leiten. Auf diese Weise würde er persönlich die Grundlinien der Steuerreform verfassen und für deren Umsetzung sorgen, hieß es. Berlusconi hatte bereits 2002 mehr als ein halbes Jahr das Außenministerium interimistisch geführt, nachdem Renato Ruggiero zurückgetreten war.
Unterdessen einigten sich die Finanzminister der Eurozone am Montag in Brüssel, Italien nicht wegen Überschreitung der Drei- Prozent-Marke gemäß den Kriterien des Euro-Stabilitätspaktes zu verwarnen. Berlusconi habe eine "sehr glaubwürdige und kompetente Präsentation" der geplanten Reformen vorgelegt, sagte Finanzminister Grasser. Nach der jüngsten Prognose der EU-Kommission beträgt die Neuverschuldung Italiens in diesem Jahr 3,2 Prozent und 2005 sogar 4,0 Prozent.
(apa)
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