Bischof Kapellari rügt Bischof Krenn: "Sumpf muss trocken gelegt werden"

  • Ermittler: Auch Kinderpornos auf beschlagnahmten PC
  • Druck auf Krenn wird größer: "Es wird etwas passieren"

Sex-Affäre im St. Pöltener Priesterseminar: Bischof Kapellari rügt Bischof Krenn erneut: "Die Vorfälle rufen nach Aufarbeitung." Auch der frühere Regens, Franz Schrittwieser, erhebt schwere Vorwürfe.

Auf den beschlagnahmten Computern und Laptops aus dem Priesterseminar St. Pölten fanden die Ermittler bisher zwischen 10.000 und 11.000 Fotos, darunter auch "einige wenige" mit kinderpornografischem Inhalt. Das sagte Staatsanwalt Nemec im Ö1-Mittagsjournal. Die Ermittlungen würden noch einige Wochen dauern, da in der Sache "keine außerordentliche Dringlichkeit" gegeben sei.

Druck auf Krenn wird immer größer
Der Druck Krenn wird unterdessen größer. Immer mehr Bischöfe haben am Dienstag Kritik an der Sex-Affäre geübt und Konsequenzen verlangt. Der Sprecher des Vorsitzenden der Bischofskonferenz Kardinal Christoph Schönborn, Erich Leitenberger, erklärte im "Münchner Merkur" (Mittwoch-Ausgabe), es bestehe "größter Handlungsbedarf". Auf die Frage, ob Krenn zurücktreten werde, sagte Leitenberger: "Das müssen Sie ihn selber fragen. Ich kann Ihnen versichern, dass Rom die Vorgänge um das Priesterseminar in St. Pölten sehr aufmerksam verfolgt. Man rechnet damit, dass demnächst etwas passieren wird".

Feichtlbauer: "Skandal der Heuchelei"
Der katholische Publizist und frühere Vorsitzende der Plattform "Wir sind Kirche", Hubert Feichtlbauer, hat vor allem Kritik am "Skandal der Heuchelei" geübt. "Das Problem entsteht dadurch, dass wir es mit einer Kirche zu tun haben, die nicht genug Höllenstrafen denen antun kann, die solchen sexuellen Betätigungen nachgehen und im eigenen Bereich reden sie nicht darüber, wenn es sein muss, streiten sie es ab, solange es geht und wenn das Abstreiten nix mehr hilft, wird vertuscht und verniedlicht", so Feichtlbauer in der "ZIB 2" des ORF am Dienstag.

Seiner Ansicht nach sei der St. Pöltner Diözesanbischof Kurt Krenn nicht mehr haltbar. "Meines Erachtens nicht. Aber wir sind schon an alle möglichen Dinge gewöhnt. Die Art, wie die oberste Kirchenleitung in Rom mit dem Fall Groer umgegangen ist, war zutiefst enttäuschend. Das lässt unter Umständen ähnlich Schlimmes auch für St. Pölten befürchten", sagte Feichtlbauer.

Schrittwieser: "Der St. Pöltner Weg ist gescheitert"
Franz Schrittwieser, bis 2001 Regens des St. Pöltner Priesterseminars, dann aber von Krenn abgesetzt, meinte im "Mittagsjournal", Krenn wollte einen neuen Weg beschreiten, weil er sich davon mehr Kandidaten erhofft habe, aber "der St. Pöltner Weg ist gescheitert". Es seien in St. Pölten großteils Kandidaten aufgenommen worden, die von anderen Diözesen aus den verschiedensten Gründen - etwa wegen psychischer Labilität oder Krankheit - abgewiesen worden seien. Er habe sich seinerzeit dagegen ausgesprochen, die Aufnahmekriterien herunterzusetzen, so Schrittwieser, der heute Leiter des Propädeutikums ist, einem Einführungsjahr für alle Priesterstudenten. Im vergangenen Jahr habe aus St. Pölten niemand an diesem Propädeutikum teilgenommen, so Schrittwieser.

Der stellvertretende Vorsitzende der Bischofskonferenz, der steirische Diözesanbischof Egon Kapellari, sagt in einem Interview in der "Kleinen Zeitung". Dieses Trockenlegen würde auch dazu beitragen, dass "andere Priester und Priesterkandidaten keinem falschen Generalverdacht ausgesetzt werden. Pornografie und praktizierte Homosexualität dürfen in keinem Priesterseminar geduldet werden". Kapellari betonte, wenn solche Dinge offenkundig werden, "darf ein Bischof dies nicht verharmlosen, sondern muss unverzüglich Maßnahmen treffen".

Krenn nannte Sex-Skandal erst "Buben-Dummheiten", dann "blöde Geschichte"
Zu den Aussagen des St. Pöltner Diözesanbischofs, der den Sex-Skandal als "Bubendummheit" und "blöde Geschichte" darstellte, meinte Kapellari, St. Pölten habe sich von den hohen Standards bei der Priesterausbildung ausgeklinkt. "In keinem Priesterseminar darf ein Klima aufkommen, in dem sich Cliquen bilden und isolieren. Wenn das passiert, muss es im Keim abgearbeitet werden. Das wurde in St. Pölten offenbar verabsäumt".

Konsequenzen: Interne Prüfung, Rücktritt von Subregens Rothe angenommen
Das von Krenn zusammengerufene bischöfliche Konsistorium tagte am Montag etwa vier Stunden. Ergebnis: Interne Prüfung und Klärung, der Rücktritt von Subregens Wolfgang Rothe wurde angenommen. Bischof Krenn schloss einen Rücktritt schon aus. Die Vorfälle bezeichnete er als "eine blöde Geschichte, aber keine, die irgendwie kriminell ist". Krenn verneinte zudem Gerüchte, wonach ihm ein Koadjutor, zur Seite gestellt werde, verneinte er. "Ich habe keinen Koadjutor bis jetzt, und ich weiß nichts davon." Egon Kapellari, stellvertretender Vorsitzender der Bischofskonferenz bekräftigte, dass man "weiter den Weg der Wahrheitssuche" gehen und sich "nicht hinter dem Problem verstecken" werde.

(apa/red)

11.7.2004 13:02
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