Samstag, 10. Juli 2004

Staatsbegräbnis für Thomas Klestil: 3.500 Menschen warem beim Requiem!

  • Kardinal Schönborn sprach in der Predigt auch die privaten Probleme des Bundespräsidenten an

Mit einem eineinhalbstündigen Requiem im Wiener Stephansdom wurden Samstagvormittag die Begräbnisfeierlichkeiten für den verstorbenen Bundespräsidenten Thomas Klestil eröffnet. Zur Totenmesse in den Dom kamen rund 3.500 Teilnehmer darunter die Familienangehörigen des Verstorbenen und 400 Ehrengäste. Kardinal Christoph Schönborn würdigte in seiner Predigt noch einmal Klestil als "leidenschaftlichen Patrioten" und "überzeugten Europäer".

Der Sarg mit den sterblichen Überresten wurde vor dem Altarraum im Mittelschiff des Doms aufgestellt. In den vordersten Reihen der rechten Seite nahm die Familie des Verstorbenen Platz, an der Spitze die Witwe Margot Klestil-Löffler. In der zweiten Reihe saßen die drei Kindern und die geschiedene Ehefrau, Edith Klestil - dem Vernehmen nach wurde sie von Kardinal Schönborn persönlich eingeladen.

Die vorderen Sitzreihen der linken Seite war für die in- und ausländische Politprominenz reserviert: An der Spitze Bundespräsident Heinz Fischer und Bundeskanzler Wolfgang Schüssel sowie 25 ausländische Staatsoberhäupter. Der wohl prominenteste Trauergast, der russische Präsident Wladimir Putin, kam knapp nach Beginn des Requiems direkt vom Flughafen in den Dom. Er war - ebenso wie der Gouverneur von Kalifornien, der gebürtige Steirer Arnold Schwarzenegger, der die Trauerdelegation aus den USA anführte - persönlich mit Klestil befreundet.

In der sehr persönlich gehaltenen Predigt würdigte Kardinal Schönborn noch einmal die Verdienste Klestils für die Republik: Dass er "auf beispielhafte Weise wirklich ein Weltbürger" gewesen sei, würden die Gäste aus der ganzen Welt eindrucksvoll bezeugen. Wie schon bei der Trauerfeier im Parlament bedauerte Schönborn auch bei dem Requiem, dass Klestil nicht schon zu Lebzeiten die jetzt ausgesprochene Anerkennung zuteil geworden sei: "Schmerzlich und beschämt stellen wir fest, dass auch für Dich das recht österreichische Geschick galt, erst nach dem Tod jene Anerkennung zu finden, die Dir anderswo schon längst zu Teil geworden ist. Umso mehr gelte Dir heute und weiterhin der Dank Österreichs, unser aller Dank."

Der Kardinal sprach auch die privaten Probleme des verstorbenen Staatsoberhauptes an. "Mit den meisten Menschen hast Du die Sehnsucht nach einer geglückten Ehe, nach einer harmonischen Familie geteilt. Wie so viele Menschen heute bist Du mit den Deinen durch die schmerzliche und schwierige Erfahrung des Zerbrechens und des Neubeginns von Beziehungen gegangen, alles aber noch erschwert durch das Vergrößerungsglas der Öffentlichkeit", so Schönborn.

Selbstkritisch merkte Schönborn an, "es fällt ja auch der Kirche nicht leicht, den rechten Weg zwischen dem unbedingt notwendigen Schutz für Ehe und Familie einerseits und der ebenso notwendigen Barmherzigkeit mit dem menschlichen Scheitern anderseits zu finden. Vielleicht ist Dein Tod, lieber Freund, Anlass, uns alle gemeinsam mehr um beides zu bemühen, im Wissen, dass beides notwendig und beides nicht einfach ist." (apa/red)

10.7.2004 14:17