Trauersitzung für Klestil im Parlament: Khol bedankte sich im Namen der Republik
- Würdigung von Schüssel, Schönborn und Fischer
- Tränen von Margot Klestil-Löffler bei Haselbach-Rede
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Zeitungskommentare aus dem In- und Ausland
In einer gemeinsamen Trauersitzung gedachten am Donnerstag Nationalrat und Bundesrat des Dienstagnacht verstorbenen Bundespräsidenten Thomas Klestil. Klestils Wirken für Österreich wurde von Nationalratspräsident Khol, Bundesratspräsidentin Anna Elisabeth Haselbach, Bundeskanzler Schüssel, Kardinal Schönborn und seinem Nachfolger Fischer gewürdigt. In dieser Sitzung gab es auch sehr emotionelle Momente: Klestils Witwe Margot Klestil-Löffler konnte während der Beileidsbekundungen die Tränen nicht unterdrücken. Der Sarg mit den sterblichen Überresten des Verstorbenen wird noch bis Freitag in der Hofburgkapelle aufgebahrt.
Klestil habe Österreich, auch im Ausland, "hervorragend und zu unserer aller Ehre vertreten" und bis zuletzt mit aller Kraft für die Menschen in Österreich gearbeitet, "die Republik dankt ihm dafür", erklärte Khol. "Österreich hat mit Klestil einen großen Politiker verloren. Er wird uns als bedeutender Staatsmann in Erinnerung bleiben."
Khol: Österreich in Klestils Amtszeit gewachsen
Klestils Leistung für Österreich sei eindrucksvoll. Er habe sich klare Ziele gesetzt "und konnte viele davon erreichen". "Österreich ist den zwölf Jahren der Amtszeit von Bundespräsident Klestil gewachsen", bilanzierte Khol die Entwicklung Österreichs in den vergangenen zwölf Jahren.
Khol ging auch auf die - von Klestil missbilligte - Bildung der schwarz-blauen Koalition im Jahr 2000 ein. In seiner Antrittsrede 1998 habe Klestil "Mut zur Veränderung" eingefordert - und 1999/2000 habe sich die politische Landschaft geändert. In der "durchaus bewegten" Zeit, in der aus der Konsens- eine Wettbewerbsdemokratie wurde, habe sich Klestil "in den Dienst des Konsens gestellt und dazu beigetragen, dass die Sozialpartnerschaft neues Gewicht erhielt".
"Wir trauern um einen guten Menschen"
"Wir trauern um einen Staatsmann, wir trauern um einen guten Menschen, der auf Grund seiner Liebe zu Österreich und seinen Menschen sich keine Schonung erlaubte", betonte Bundesratspräsidentin Haselbach (S). Als sie selbst sehr bewegt erklärte, dass "unser Mitgefühl und die liebevolle Anteilnahme vieler tausender Österreicher und Menschen im Ausland seiner Gattin und Familie Trost in dieser schweren Zeit sein mögen", rannen Margot Klestil-Löffler Tränen über die Wangen.
Der neue Bundespräsident Heinz Fischer bezeichnete es als "traurig und tragisch", dass aus der Verabschiedung seines Vorgängers Thomas Klestil in den Ruhestand eine "Verabschiedung auf Dauer" geworden sei. "Stolz" zeigte sich Fischer über die Reaktionen aus dem Ausland nach dem Ableben Klestils. Es habe kaum einen Staatsmann gegeben, der ihn nicht gewürdigt hätte. Beim letzten Treffen der mitteleuropäischen Staatschefs, zu dem er ihn begleiten konnte, sei Klestil als "Doyen" behandelt worden. Fischer verwies auch auf den "sensiblen Umgang" Klestils mit Minderheiten sowie mit der Vergangenheit, der auch bei dessen Besuch in Israel deutlich geworden sei.
Schüssel: Gefühl des Zusammenwachsens
Zuvor hatte bereits Bundeskanzler Wolfgang Schüssel Klestil für seinen Dienst an Österreich gedankt. In der Geschichte der Republik und in unserem Gedächtnis werde er lebendig bleiben, sagte der Bundeskanzler. Während Klestil im AKH mit dem Tode gerungen habe, habe man gespürt, wie die Nation zusammen gerückt sei. Aus gemeinsamer Betroffenheit sei in diesen Tagen ein Gefühl des Zusammenwachsens entstanden.
Kardinal Christoph Schönborn sprach nicht nur in seinem Namen, sondern "im Geiste der ökumenischen Gemeinsamkeit" im Namen aller christlichen Kirchen der Witwe und den Angörigen des verstorbenen Bundespräsidenten sein herzliches Beileid aus. Der Erzbischof regte "zum selbstkritischen Nachdenken" an, ob man mit der jetzt deutlich gewordenen Anerkennung für Klestil während seiner Amtszeit "nicht manchmal zu sparsam" umgegangen sei. "Braucht es denn immer erst Krankheit und Tod, dass wir einander etwas mehr Wohlwollen und Dankbarkeit zeigen? Und auch etwas mehr Barmherzigkeit?" (apa/red)
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