Euopäer - Österreicher - Mensch: Alfred Worm über die Ära Thomas Klestil
- NEWS-Herausgeber zieht Bilanz über Klestils Amtszeit
- Worm über seine Fehler, Stärken und Ängste
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Seine Amtszeit, seine Reisen, seine Leiden
In der aktuellen Ausgabe von NEWS wirft Alfred Worm einen Blick zurück auf die Amtszeit des verstorbenen Bundespräsidenten. Der NEWS-Herausgeber zieht Bilanz über die zwölf Jahre des Thomas Klestil, über seine Fehler, Stärken und Ängste. Und über die schmutzigen Gerüchte, die ihm das Leben erschwert haben.
Er trat an, um die Republik umzukrempeln. Ein starker Bundespräsident wollte er
sein für die Bevölkerung offen, transparent in seinen Entscheidungen und mahnendes Gewissen, wenn Worte des Oberhauptes öffentliche Besinnung erfordern. Ein aktiver Präsident für alle wolle er sein, versprach Thomas Klestil 1992.
Der Redlichkeit wegen muss die Ära Klestil ins Licht der Tatsachen gerückt werden: Thomas Klestil war zwar ein aktiver, aber kein übermäßig starker Präsident. Er hat sich sehr oft unters Volk gemischt, aber er war niemals ein Volkspräsident. Er hat
unendlich viel geredet, aber nur vergleichsweise selten was gesagt. Und wenn, war es sehr oft zu spät. Oder noch schlimmer: Zu den vielen deftigen Sagern von
Jörg Haider fiel im meist wenig, noch öfter gar nichts ein.
Das war die eine Seite des Thomas Klestil: die innenpolitisch oftmals sehr glücklose. Indessen aber gibt es auch einen sehr erfolgreichen, einen fast visionären Klestil. Etwa den, der von Beginn seiner Amtszeit weg die Integration Europas predigte. Klestil war rückblickend einer der konsequentesten Wegbereiter einer EU-Erweiterung, eines integrierten Europas. 1992 war Österreich noch gar nicht Mitglied der EU, als Klestil bereits über die Grenzen Österreichs hinausblickte und die Nachbarn im Osten als Mitglieder des gemeinsamen Hauses Europa akzeptierte, sie sogar als Freunde bezeichnete.
Innenpolitisch scheiterte Klestil zweimal an Wolfgang Schüssel. Im Februar 2000,
als ihm der ÖVP-Chef eine FPÖ-ÖVP-Koalition aufzwang, der Klestil das Ansehen im In- und Ausland sowie die fürs Regieren erforderliche breite Basis
absprach. Und das zweite Mal, als Schüssel nach vorzeitigen Neuwahlen mittlerweile als Stimmenstärkster noch einmal die FPÖ als Koalitionspartner
wählte. Wieder gegen den Willen Klestils.
Die Folgen dieser beiden Kabinettsbildungen Schüssel I und Schüssel II sind mittlerweile spür- und für alle erlebbar: Die Republik besitzt die fragilste Regierung seit 1945. An der Unprofessionalität der FPÖ kann die Koalition jederzeit scheitern das Ansehen Österreichs im Ausland ist am Tiefpunkt. Vor alledem hat Klestil gewarnt und in alledem wurde er letztlich bestätigt. Die Geschichte gibt Klestil Recht, dem ehrgeizigen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel Unrecht.
Alle Gedanken Alfred Worms über die Amtszeit des verstorbenen Bundespräsidenten lesen Sie im neuen NEWS.
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