Trauer um Bundespräsident Klestil: Nachruf des Bundeskanzlers im Wortlaut
- "Ganz Österreich trauert um ihn. Die Bundesregierung hat Staatstrauer angeordnet"
·Alle Reaktionen auf den Tod Klestils
Heinz Fischer: "Ganz Österreich trauert"
·Fischer: "Verhältnis war sehr herzlich"
Nachfolger unterstreicht gute Beziehung zu Klestil
·Zawinul: "wahren Freund verloren"
Thomas Klestil sei "immer Mensch geblieben"
·ÖVP "tief betroffen von frühem Tod"
Österreich hat "große Persönlichkeit verloren"
·SPÖ empfindet tiefe
Trauer über Ableben
"Österreich verliert staats-politische Persönlichkeit"
·FPÖ-Spitze zeigt sich tief betroffen
FPÖ-Vizekanzler: "Er stand immer hinter Österreich"
·Grüne: Klestil war ein echter Europäer
Grüne Glawischnig: "Habe Klestil sehr geschätzt"
·Leitl: "Guten Freund verloren"
Wirtschaft trauert um verstorbenen Klestil
·Kondolenzbuch für Thomas Klestil
Tausende haben schon Ihr Beileid ausgedrückt
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) hat nach dem Sonderministerrat Mittwochvormittag das Wirken des verstorbenen Bundespräsidenten Thomas Klestil gewürdigt. Der Nachruf im Wortlaut:
"Mit Bundespräsident Dr. Thomas Klestil hat Österreich eine große Persönlichkeit, einen überzeugten Österreicher und Europäer verloren, der sein Leben in den Dienst seines Landes und seiner Menschen gestellt hat. Unsere und meine persönliche Anteilnahme gilt seiner Familie. Ganz Österreich trauert um ihn. Die Bundesregierung hat daher Staatstrauer angeordnet.
Dr. Thomas Klestil war - bevor er 1992 zum Bundespräsidenten gewählt wurde - ein Diplomat ganz moderner Prägung: er hat in wichtigen Funktionen in Amerika und bei den Vereinten Nationen für Österreich große Erfolge erreicht. So etwa die Übersiedlung wichtiger UNO-Organisationen nach Wien.
1987 kehrte er als Generalsekretär ins Außenministerium nach Wien zurück. Seit dem 8. Juli 1992 war er der siebente Bundespräsident der Zweiten Republik.
Dr. Thomas Klestil hat seine vielen internationalen Kontakte und Freundschaften im Dienste unseres Landes gepflegt. Seine weit mehr als 100 Staats- und Arbeitsbesuche haben das positive Bild Österreichs im Ausland wesentlich mitgeprägt, zum Wohl auch für die österreichische Wirtschaft und die Arbeitsplätze. Er war der erste Bundespräsident Österreichs, der Israel offiziell besucht hat. Und er war mir auch ein wirklich starker Rückhalt in den Bemühungen um die Schaffung des österreichischen Versöhnungsfonds für ehemalige Sklaven und Zwangsarbeiter genauso wie um die Lösung noch offener Entschädigungsfragen. Diese bedeutenden Gesten zur Überwindung der Schatten der Vergangenheit kamen aus einer tiefen Überzeugung.
Er war eine starke Stimme für ein selbstbewusstes Österreich in einem weltoffenen Europa. Er teilte mit vielen von uns die Überzeugung, dass wir vor allem mit unseren unmittelbaren Nachbarn, die ja so lange von uns getrennt waren, eine partnerschaftliche Zusammenarbeit aufbauen müssen. Durch seine Initiativen, etwa das jährliche Treffen der mitteleuropäischen Staats- und Regierungschefs, hat er einen sehr wichtigen Beitrag für die Wiedervereinigung Europas gesetzt.
Seine Arbeit war aber nicht nur auf die Außenpolitik konzentriert, er hat alle Bundesländer offiziell besucht und auch das kulturelle und geistige Leben in Österreich durch seine Teilnahme an vielen Veranstaltungen in seiner Bedeutung gestärkt.
Als Regierungsmitglied und vier Jahre als Bundeskanzler habe ich während seiner ganzen Amtszeit mit ihm zusammen gearbeitet. Es gab manche schwierige Herausforderungen und Aufgaben zu bewältigen. Gerade in den letzten Monaten führten wir einen regen Gedankenaustausch über Österreichs Zukunft in Europa, aber auch über die wichtigen Themen, die wir auf nationaler Ebene bewältigen müssen.
Sein Ableben, so kurz vor dem Ende seiner zweiten Amtsperiode, ist ein tragischer Schicksalsschlag nicht nur für seine Familie, sondern ein trauriges Ereignis für alle Österreicher, die in den letzten 40 Stunden den Atem angehalten haben. Ungeachtet seiner gesundheitlichen Beschwerden hat er mit großer Aufopferung und Disziplin sein Amt ausgeübt.
Ich hätte es ihm gewünscht, den Dank der Republik für seine zwölfjährige Präsidentschaft persönlich zu hören und entgegennehmen zu können. Gott hat es anders gefügt.
So kann ich in dieser Stunde Dr. Thomas Klestil nur danken für seine Arbeit für Österreich."
(apa/red)
Dalai Lama in Österreich14:12
Keine Angst vor ChinaAußenministerium reagiert auf Chinas Empörung betont gelassen
Präsidentenwahl in Serbien09:39
Traum von GroßserbienNeuer Präsident Nikolic kann sich nicht von nationalistischen Ideen lösen
