Mittwoch, 7. Juli 2004

Staatsbegräbnis für Klestil: Für Fischer war Allparteien-Lob keine "Heuchelei"!

  • Staatschefs aus aller Welt erwiesen die letzte Ehre. Strasser mit Polizeieinsatz zufrieden. PLUS: Alle Bilder!

Österreich hat mit dem größten Staatsbegräbnis in der II. Republik würdevoll Abschied von Thomas Klestil genommen. 10.000 Menschen standen in Wien zwischen Stephansdom und Zentralfriedhof für den Trauerzug Spalier: Der Dienstagnacht verstorbene Bundespräsident wurde am Samstagnachmittag in der Präsidentengruft beigesetzt. Schon am Vormittag hatten sich rund 3.500 Menschen, darunter 400 Ehrengäste - unter ihnen 25 Staatsoberhäupter - im Stephansdom eingefunden, wo Erzbischof Christoph Schönborn das Requiem zelebrierte. Auch Edith Klestil war im Dom. In der "Pressestunde" erklärte Präsident Fischer, dass es sich beim Allparteien-Lob nach dem Tod von Thomas Klestil, nicht um "Heuchelei" handelte.

Er nannte die verstorbenen Politiker Kreisky, Benja und Jonas als Beispiel, die in ihrem Politiker-Leben kritisiert und nach ihrem Tode gelobt wurden. Fischer würdigte die Requiem-Aussage von Kardinal Schönborn, dass man zu Lebzeiten etwas milder sein könnte. Aber trotzdem gab es für Fischer Reden, die nicht so waren, wie er es sich gewünscht hätte.

Beim Requiem im Stephansdom würdigte Kardinal Schönborn in einer sehr persönlich gehaltenen Predigt Klestil noch einmal als "leidenschaftlichen Patrioten" und "überzeugten Europäer". Dass er "auf beispielhafte Weise wirklich ein Weltbürger" gewesen sei, würden die Gäste aus der ganzen Welt eindrucksvoll bezeugen. Wie schon bei der Trauerfeier im Parlament bedauerte Schönborn neuerlich, dass Klestil nicht schon zu Lebzeiten die jetzt ausgesprochene Anerkennung zuteil geworden sei: "Schmerzlich und beschämt stellen wir fest, dass auch für Dich das recht österreichische Geschick galt, erst nach dem Tod jene Anerkennung zu finden, die Dir anderswo schon längst zu Teil geworden ist. Umso mehr gelte Dir heute und weiterhin der Dank Österreichs, unser aller Dank."

Auch Edith Klestil beim Requiem
Der Kardinal sprach auch die privaten Probleme des verstorbenen Staatsoberhauptes an und sagte, dass Klestil wie so viele Menschen "durch die schmerzliche und schwierige Erfahrung des Zerbrechens und des Neubeginns von Beziehungen gegangen" sei, "alles aber noch erschwert durch das Vergrößerungsglas der Öffentlichkeit." Im Stephansdom war neben der Witwe Margot Klestil-Löffler auch die geschiede Ehefrau Edith Klestil anwesend.

Beisetzung am Zentralfriedhof
Nach dem Requiem wurden die sterblichen Überreste Klestils unter Polizeibegleitung in einem Leichenwagen auf den Zentralfriedhof gebracht. Unmittelbar nach dem Sarg an der Spitze des Trauerzuges ging Klestils Witwe Margot Klestil-Löffler und die engste Familie des Bundespräsidenten, darunter auch dessen drei Kinder aus erster Ehe.

Danach folgten die Spitzen des Staates, allen voran der neue Bundespräsident Heinz Fischer, Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) und die Bundesregierung, die Präsidenten des Nationalrates sowie die Landeshauptleute und die Chefs der Parteien. Gesäumt wurde der Trauerzug von 10.000 Zusehern. Am Zentralfriedhof wurde der mit einem rot-weiß-roten Bahrtuch mit Staatswappen bedeckte Sarg auf einer Lafette mit einem Wagen des Bundesheeres unter den Klängen des Trauermarsches "Radetzkys Nachruf" zur Präsidentengruft vor der Karl-Lueger-Gedenkkirche gebracht. Angeführt wurde der Trauerzug von Ehrenkompanien des Bundesheeres und der Gardemusik. Nach der Bundeshymne und dem liturgischen Teil wurde der Sarg zu den Klängen des Liedes "Vom guten Kameraden" in der Gruft versenkt. Klestil hat als sechster Bundespräsident seine letzte Ruhestätte in der Gruft gefunden.

Rote Rosen zum Abschied
Die Familie und die Ehrengäste nahmen vom Verstorbenen ein letztes Mal Abschied am offenen Grab und gaben ihm rote Rosen mit auf den letzten Weg.

Prominente Trauergäste
Die Liste der prominenten Trauergäste wurde angeführt vom russischen Präsident Wladimir Putin und für die USA vom kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger, wobei Putin aber nur beim Requiem, jedoch nicht mehr der Beisetzung anwesend war. Zu Mittag wurden die Staatsgäste nach dem Requiem von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel im Kanzleramt empfangen. Nach der Beisetzung stand am Nachmittag noch ein Empfang beim neuen Bundespräsidenten Heinz Fischer in der Hofburg auf dem Programm.

(apa/red)

7.7.2004 07:58