Dienstag, 6. Juli 2004

AKH-Ärzte über Klestils Zustand: "Wäre vermessen von Hoffnung zu sprechen"

  • Leber- und Nierenfunktion "sukzessive schlechter"
  • Zustand wurde auf niedrigstem Niveau stabilisiert

Bundespräsident Klestil ringt weiter mit dem Tod. Die Chancen auf eine Gesundung schwinden, Dienstag früh verschlechterte sich sein Zustand dramatisch. Am Abend konnte er dann wieder stabilisiert werden. Dennoch meinte Christoph Zielinski, Leiter der Ärzteteams, es wäre "vermessen, hier von Hoffnung zu sprechen", es gehe "mehr um das Einräumen einer Chance."

Die Mediziner sprachen in der "ZiB2" von einer Stabilisierung auf sehr niedrigem Niveau und von der "Grenze der ärztlichen Kunst". Kardinal Christoph Schönborn hielt am Abend im Stephansdom einen Bittgottesdienst für den Bundespräsidenten ab, der - wie er sagte - "nach menschlichem Ermessen im Sterben liegt".

"Wir versuchen, die Hoffnung nicht ganz schwinden zu lassen, auch wenn der Hoffnungsschimmer noch so klein war", betonte Zielinski. Die Ärzte hätten "manchmal den Eindruck, dass die Organfunktionen so sind, dass sie zum Teil dieser Hoffnung entgegen kommen. Dennoch wäre es vermessen, hier von Hoffnung zu sprechen."

Klestils Herzfunktion sei stabil, aber die Leber- und die Nierenfunktion würden "sukzessive schlechter", berichtete der Leiter der Intensivstation am AKH, Gottfried Locker, in der "ZiB". Man sei "an der Grenze des medizinisch Machbaren angekommen". Die Ärzte könnten jetzt "eigentlich nichts mehr tun, nur hoffen, dass sich der Zustand von selbst stabilisiert". Die Intensivmedizin könne "nur eine Überbrückung geben und hoffen, dass sich der Körper von selbst erholt". Jetzt sei "Hoffen und Beten angesagt".

Für Klestil gebetet haben Dienstag im Wiener Stephansdom hunderte Gläubige. "Wo menschliches Können an seine Grenzen stößt, am Ende ist, ist das Gebet nie am Ende", sagte Schönborn in seiner Predigt. Die Messe wurde abgehalten, um Klestil - der "an der Schwelle des irdischen Lebens" stehe - auf "jenem letzten Wegstück" zu begleiten, das aus der Welt in die Ewigkeit führe.

Klestils Nachfolger Heinz Fischer (S) - der am Donnerstag angelobt wird - und sein Vorgänger Kurt Waldheim (V) waren mit ihren Frauen im Stephansdom erschienen, ebenso zahlreiche Regierungsmitglieder, angeführt von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V), der Nationalratspräsident Andreas Khol (V), der Präsident des Verfassungsgerichtshofes Karl Korinek und der neue Rechnungshof-Präsident Josef Moser (F). Von Klestils engsten Angehörigen war niemand zu sehen, sie weilten am Krankenbett des Bundespräsidenten.

In der Nacht dürfte es dem Vernehmen nach keine weiteren Informationen aus dem AKH geben. Die nächste Pressekonferenz soll frühestens Mittwoch früh stattfinden, falls sich Klestils Zustand ändert. (apa/red)

6.7.2004 23:07