Montag, 5. Juli 2004

Das sagten die behandelnden Ärzte über den Zustand von Klestil am Montag

  • Graninger: "Sauerstoffschuld könnte eingetreten sein"

Bundespräsident Thomas Klestil (71) ist Montagfrüh per ÖAMTC-Notarzthubschrauber mit einem Herzstillstand ins Wiener AKH eingeliefert worden. Dort gelang es, ihn zu reanimieren und in einen künstlichen Tiefschlaf zu versetzen. "Eine Lebensgefahr ist weiterhin gegeben und akut." Das sagte Univ.-Prof. Dr. Reinhard Krepler, Leiter des Allgemeinen Krankenhauses in Wien, bei einer Pressekonferenz. "Wir sind in großer Sorge, haben aber Hoffnung." ( HIER REINHÖREN: DER BEHANDELNDE ARZT DR. KREPLER IM ORIGINALTON!)

Was genau die äußerst kritische Situation ausgelöst hat, darüber gibt es widersprüchliche Angaben. Nach dem Wissensstand Kreplers dürfte - kurz gefasst - ein "Fehler in der Lungenfunktion" einen Sauerstoffmangel ausgelöst haben. Dadurch wurde das Herz nicht ausreichend versorgt, weshalb es zum Stillstand kam.

Im Gegensatz dazu sieht Prof. Wolfgang Graninger, der Klestil wegen dessen Autoimmunkrankheit (die vor allem das Atmungsorgan schädigt, Anm.) ständig behandelt, keinerlei Zusammenhang zwischen dem Lungendefekt und dem Herzstillstand. "Einen Herzstillstand kann man jederzeit erleiden", so der Mediziner am Rande der Pressekonferenz. Zudem befürchtet Graninger, dass trotz der "ausgezeichneten" Reanimation eine Sauerstoffschuld eingetreten sein könnte.

Gefahr der Hirnschädigung
Die Beamten um den Bundespräsidenten hätten zwar eine kardiale Reanimation mit einem Defibrillator durchgeführt, aber die Beatmung sei erst durch den Notarzt erfolgt. Daher bestünde auch die Gefahr einer Hirnschädigung. Auch Krepler schloss dies nicht aus. Genaueres würde man aber erst nach Beendigung des künstlichen Tiefschlafs wissen, der selbst im günstigsten Fall 14 Tage dauern wird.

Der ärztliche Leiter des AKH schilderte die dramatischen Ereignisse des Montags: Der Bundespräsident sei ohnmächtig geworden und nach Erstbehandlung durch Beamte seiner Kanzlei per Helikopter in die Klinik für Notfallmedizin eingeliefert worden. Dort sei es dem Team unter Univ.-Prof. Dr. Anton Laggner gelungen, wieder eine spontane Herzfunktion herbeizuführen.

Wasser in der Lunge festgestellt
Bei der anschließenden Diagnostik sei nach einem Röntgen der Lunge eine Computertomographie durchgeführt worden. Laut Christian Johannes Herold, Leiter der Abteilung für Radiodiagnostik, habe man dabei Veränderungen einerseits durch die alte Erkrankung des Bundespräsidenten, andererseits Schäden durch den Herzstillstand - einen Wasserstau - festgestellt. Ausgeschlossen wurde vom Mediziner eine Lungenembolie durch Beinthrombose. Ebenso unmöglich sei eine Ansteckung mit TBC bei der Eröffnung des "Birdlands", wo ein Erkrankter unter den Gästen war.

Klestil, der nicht wieder das Bewusstsein erlangte, wurde in den künstlichen Tiefschlaf versetzt, um die Belastung für den Körper zu verringern und damit die Lunge stabilisieren zu können. Zudem wurde die Körpertemperatur leicht abgesenkt. Anschließend wurde der Präsident auf eine eigens geöffnete Intensivstation verlegt, die für die "ruhigeren" Sommermonate geschlossen war. Ein eigenes Behandlungsteam kümmert sich unter Prof. Christoph Zielinski um den prominenten Patienten. Ehefrau Margot Löffler-Klestil war die ganze Zeit bei ihrem Mann. Die Gesamtbetreuung hat Prof. Graninger übernommen, der die Krankengeschichte Klestils entsprechend kennt.

Schäden durch Sauerstoffmangel möglich
"Alle hoffen, dass der Bundespräsident einen zufrieden stellenden, stabilen Zustand erreicht", so Krepler, der ihm allerdings einen kritischen Zustand wie jedem Intensivpatienten attestierte. Der gesamte gesundheitliche Zustand Klestils sei von Bedeutung - vor allem, was mögliche Schäden durch den Herzstillstand betrifft. Prozentuelle Chancen wollte der ärztliche Direktor nicht nennen. Oft sei man der allerbesten Hoffnung und dann ergebe sich eine kleine Komplikation, für deren Bewältigung der Körper keine Reserven mehr habe, meinte der Arzt.

Kurzfristig würden sich keine neuen qualitativen Aussagen zum Gesundheitszustands Klestils treffen lassen. "Definitives ist in den nächsten Stunden oder Tagen nicht möglich", so Krepler. Etwaige Neuigkeiten würde man - auch auf Grund eines vorher geäußerten Wunsches des Patienten - via Bulletins der APA mitteilen.
(APA; red)

5.7.2004 13:54