Nach Kinderporno-Vorwürfe im Priesterseminar: Leiter zurückgetreten
- Bischof Krenn nimmt Rücktritt "schweren Herzens" an
- Derzeit Auswertung der beschlagnahmten Laptops
Überraschung in der Porno-Affäre im Priesterseminar St. Pölten: Nur wenige Stunden nach dem Rücktritt von Regens Ulrich Küchl wurde Montagmittag Pater Werner Schmidt zu dessen Nachfolger ernannt, berichtete Kath.net. Bisher war Schmidt als Moderator der in St. Pölten stationierten "Gemeinschaft vom heiligen Josef" tätig.
Küchl hatte sein Amt zur Verfügung gestellt, weil er "eine Beruhigung der angespannten Lage" erreichen wollte. Bischof Kurt Krenn nahm das Rücktrittsgesuch "schweren Herzens" an.
Bereits in der vergangenen Woche hatte sich die Situation im Priesterseminar zugespitzt. Auf dem Hauptcomputer hatten die Ermittler Bilder mit pornografischem Inhalt (sexuelle Handlungen mit Unmündigen und Tieren) gefunden. Um herauszufinden, wer von den Priesteramtsanwärtern das Material heruntergeladen haben könnte, wurden einige Privat-PC beschlagnahmt. Auch dabei wurden laut Staatsanwalt Walter Nemec "tausende von Fotos" entdeckt - man wisse jedoch noch nicht, welchen Inhalts diese seien.
Anonyme Anschuldigungen
Zudem hatte ein anonymer Anrufer Regens Küchl homosexueller Kontakte zu seinen Schülern bezichtigt. Küchl wies die Vorwürfe strikt zurück und bestätigte, den Mann zu kennen: Dieser sei vor einiger Zeit auf Grund einer psychischen Störung aus dem Priesterseminar entlassen worden und habe angekündigt, sich dafür rächen zu wollen.
"Die in den Medien verbreiteten Verleumdungen eines ehemaligen Seminaristen gegen meine Person haben einen so negativen Einfluss auf die öffentliche Meinung ausgeübt, dass meine weitere Amtsausübung wahrscheinlich eine schwere Belastung für das Priesterseminar und die Diözese St. Pölten darstellt", hieß es dazu im Rücktrittsschreiben Küchls an Bischof Krenn.
"Entsetzt über die skandalöse Berichterstattung" in Medien zeigten sich indes die Mitglieder der Heimatpfarren des Regens, Eggern und Eisgarn im Waldviertel. In den vergangenen Jahrzehnten von Küchls Tätigkeit im Waldviertel habe sich "nicht der geringste Hinweis" auf eine Verfehlung ergeben, wie sie ihm nun "in schändlicher Art und Weise von einem Seminaristen zur Last gelegt" wurde.
(apa)
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