Freitag, 2. Juli 2004

"Ich liebe diese Firma!": Bill Fords höchst ungewöhnlicher Rettungsplan für Ford!

  • 9 Milliarden Gewinn mitten in der weltweiten Markt-Flaute
  • Manager forcieren margenträchtige Modelle wie SUVs

Die Nachricht überraschte Autoanalysten auf der ganzen Welt: Der US-amerikanische Ford-Konzern korrigierte seine Gewinnprognose zum zweiten Mal in diesem Jahr nach oben. Das Unternehmen rechnet für 2004 mit 1,65 bis 1,75 Dollar Gewinn je Aktie. Was mindestens 2,9 Milliarden Gesamtgewinn mitten in der weltweiten Flaute im Autogeschäft bedeuten würde. Die Ford-Aktie legte kräftig zu.

Dabei ist die Frohbotschaft so unerwartet gar nicht gekommen. Sie ist die logische Folge eines höchst ungewöhnlichen Rettungsplans, mit dem Bill Ford, 47, Urenkel des Firmengründers Henry Ford, sein Erbe auch für die eigenen Nachkommen retten will. Der Konzern, der 2003 mit den Marken Ford, Volvo, Jaguar, Land Rover, Aston Martin, Lincoln, Mercury und der Dreißig-Prozent-Tochter Mazda 164 Milliarden Dollar Umsatz erzielte, war 2001 mit 5,5 Milliarden Dollar Verlust knapp vor der Insolvenz gestanden. Damals hat Bill Ford, Absolvent der Eliteuniversität Princeton, am Steuer Platz genommen.

Riskanter Sanierungsplan
Bei der Detroiter Autoschmiede wurde mit einem weitreichenden Kostensenkungsprogramm dramatisch abgespeckt. Und das neu eingesetzte Management-Team forciert statt der Volumensmarken der Kompakt- und der Mittelklasse margenträchtige Modelle wie die SUVs von Ford. Die Folge: Zwar explodieren die Gewinne - immerhin verdiente Ford im ersten Quartal 2004 mit 1,95 Milliarden Dollar deutlich mehr als Weltmarktführer und Erzrivale General Motors (GM) -, doch auf der anderen Seite brach der Absatz weg. 2003 ging der weltweite Verkauf um 250.000 auf 6,72 Millionen Autos zurück.

Shooting Star Bill Ford
Zumindest von den Ford-Eigentümern wird Bill Ford schon als Shooting Star gefeiert. 2003, eineinhalb Jahre nach Amtsantritt, hatte er mit 495 Millionen Dollar Gewinn den Turnaround geschafft.

Der Clan sieht sich jetzt darin bestätigt, nach einem "Ausrutscher" mit Bill Fords glücklosem Amtsvorgänger Jacques Nasser wieder einen aus den eigenen Reihen an die Konzernspitze gehievt zu haben. "Ich liebe diese Firma. Hier geht es um die Zukunft meiner Kinder und meiner Enkelkinder", sagt Bill Ford.

2.7.2004 12:59