Jenseits von Tulpen und Grachten: Die
"Oranjes" setzten auf Architektur & Design!
- Viele Ausstellungen und Führungen im Themenjahr `04
- Die architektonischen Highlights Hollands entdecken
Stararchitekt Rem Koolhaas hat in seiner Heimat anscheinend nicht den besten Ruf. Will man dem Fremdenführer beim Rundgang durch die Koolhaas-Ausstellung im Rotterdamer Architekturmuseum NAI Glauben schenken, so zeichnet der Niederländer, der in Berlin den spektakulären Neubau der holländischen Botschaft entwarf, kaum eine Skizze selbst und ist bei manchen Mitarbeitern als ziemlich herrisch bekannt. Wer zum Themenjahr 2004 "Architektur und Design" in die Niederlande reist, bekommt neben Lobeshymnen auf Koolhaas auch durchaus Kritisches zu hören.
Zahlreiche Ausstellungen und Führungen verdeutlichen im Themenjahr, mit welcher Selbstverständlichkeit sich die Niederländer mit der Baukunst beschäftigen. Auf einem Quadratkilometer leben laut Statistik 472 Menschen - doppelt so viele wie in Deutschland - da ist Kreativität gefragt. "Man braucht ein Jahr, um in Holland alle wichtigen Bauten zu sehen", sagt Architekturexpertin Caroline van Raamsdonk lächelnd. Sie zeigt bei einer Rundfahrt durch das östliche Hafengebiet ein Land jenseits von Tulpen und Grachtenromantik. Das liegt ganz auf der Linie des niederländischen Tourismusverbands, der mit dem Themenjahr dem gängigen Holland-Bild eine Facette hinzufügen will, wie Sprecher Stefan Swertz erklärt. Die Besucherzahlen steigen: Dieses Jahr könnte die Drei-Millionen-Marke überschritten werden.
Vielfalt in Einheit
Vorbei an Renzo Pianos verspieltem Wissenschaftsmuseum Nemo geht es im Hafen Richtung Dockland, wo in wenigen Jahren tausende Wohnungen entstanden sind. Auch hier "Vielfalt in Einheit" - fast keines der bunten Reihenhäuschen gleicht dem anderen. Ein paar hundert Meter Luftlinie entfernt soll in Kürze der britische Starkoch Jamie Oliver ein Restaurant eröffnen.
In Amserdam ist viel in Bewegung
Der Chef des Architekturzentrums Arcam, Martin Kloos, formuliert es mit einem Blick aus seinem Fenster treffend: "Alles, was man hier sieht, wird sich ändern." Das gilt auch für das Stedelijk Museum, das derzeit renoviert wird. Passend zum Themenjahr und ähnlich wie das MoMA in New York hat es sich ein ungewöhnliches Zwischenquartier gesucht. Bis zum 31. August ist im Postamt von Elling noch die Ausstellung "Kramer gegen Rietveld. Möbel, Kunst und Gestaltung 1915-1935" zu sehen. Lohnend ist auch ein Besuch des Museums Het Ship, das zum schiffsähnlichen Wohnblock von Michel de Klerk gehört und sich ganz der Amsterdamer Schule widmet.
Rotterdamer Architektur
Die raue Hafenmetropole Rotterdam steht dem eher lieblichen Amsterdam, was die Vielfalt der Angebote im Themenjahr betrifft, wenig nach: So sind selbst die futuristischen Kubushäuser von Piet Blom (1978-1984) offen für Besucher. Das Sonneveld Haus (1929) neben dem NAI-Architekturmuseum gilt als das beste Beispiel für den holländischen Funktionalismus. Es wartet mit für die damalige Zeit originellen Details auf wie einem Lift, mit dem das Holz vom Keller in die Wohnstube manövriert wird.
Hundertwasser-Ausstellung
Zum Klassiker beim Rotterdam-Besuch hat sich die Kunsthalle (1992) entwickelt, in der noch bis zum 5. September eine Hundertwasser-Ausstellung zu sehen ist. Das Gebäude hat nach Ansicht vieler allerdings einen Haken: Die Besucher müssen beim Warten auf einer ungemütlichen Rampe ausharren - verantwortlich gemacht wird dafür Hollands hass-geliebter Stararchitekt Rem Koolhaas. (apa/red)
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