Mittwoch, 30. Juni 2004

Urlaubs-Begleiter

  • Bücher für den Sommer: Vom Krimi bis zum Sachbuch.

Bestseller, Neuheiten und Promi-Tipps. Leser von Kiesbauer bis Komarek empfehlen ihre Sommerlektüre. Was jetzt auf den Markt kommt. Und: Die zehn besten Hörbücher für Ihre Urlaubsfahrt.

Als Conny Froboess 1951 mit fiepsiger Stimme „Pack die Badehose ein“ trällerte, schuf sie einen Jahrzehnte überdauernden Hit. Im Sommer 2004 wird man – traut man meteorologischen Langzeitprognosen – dermaßen ausgerüstet an heimischen Gestaden nur im sprichwörtlichen Sinne baden gehen. Und: Bleiben die nächsten Wochen wechselhaft-regnerisch, dürfen sich die Buchhändler freuen. Denn Bücher gehören, glaubt man den von NEWS befragten Meinungsmachern, zu des Österreichers liebsten Reisebegleitern. Wir baten Leser von Arabella Kiesbauer bis Alfred Komarek, von Alexander Van der Bellen bis Ursula Haubner um Expertise, was in den Reisekoffer muss. Wir präsentieren die wichtigsten Neuerscheinungen, mit denen Sie die Freigepäcksgrenze ihres Charter-Flugtickets überschreiten sollten. Als literarische Abwechslung bei der Autofahrt in den Urlaub gibt es zehn aktuelle Hörbuch-Tipps.

Krimiautor als Langfinger. Alfred Komarek, „Vater“ des Weinviertler Veltliner-Kommissars Alfred Polt, lässt auf Leseentzug im Urlaub sogar seine Gesetzestreue sausen. Als ihm in Kenia die Literatur ausging, konsultierte er die Hotelbibliothek und fand einen Band mit Erzählungen. Eine Geschichte des Grazer Autors Peter Glaser gefiel ihm so gut, dass er das Buch mitgehen ließ. Komarek bewies literarischen Riecher: Glaser erhielt später den Ingeborg-Bachmann-Preis 2002. „Zumindest ein Drittel Koffer voll Bücher“ schleppt er mit sich herum. „Ein literarisch anspruchsvoller Brocken, zwei bis drei spannende Hadern. Für jede Laune muss etwas dabei sein.“

So genannte Pflichtlektüre kommt ihm nicht ins Gepäck. Seine Empfehlungen: Anne Chaplets Krimi „Schneesterben“ (Kunstmann, E 20,50). „In ihren atmosphärischen Romanen ist es so schön kalt.“ Gabriele Wolff „Das dritte Zimmer“ (Haymon, E 20,70), „ein Krimi, geschrieben von einer Staatsanwältin“. Weiters Klaus Merz’ „Löwen Löwen. Venezianische Spiegelungen“ (Haymon, E 14,90): „Wenn sich ein so großartiger Literat über Venedig hermacht, ist das spannend.“

Als „literarische Übung“ packt Komarek Marcel Prousts „Eine Liebe Swanns“ in der Neuübersetzung von Michael Kleeberg (Liebeskind, E 22,70) ein. Und auf Empfehlung seines „Film-Polts“ Erwin Steinhauer: Dimitré Dinevs „Engelszungen“ (Deuticke, E 25,60).

Parlamentsferien. Den Erfolgsroman des einst als Flüchtling in Traiskirchen untergekommenen Bulgaren hat sich auch SP-Chef Alfred Gusenbauer vorgenommen. „Ein schöner Roman ist etwas Herrliches. Da kann man stundenlang darin abtauchen“, meint er. Ganz ohne politisches Unterfutter geht es freilich nicht, wovon Stanley Greenbergs „The Two Americas“ (Thomas Dunne Books, E 25,20) und Ralf Dahrendorfs „Der Wiederbeginn der Geschichte (Beck,
E 25,60) zeugen. Grünen-Chef Alexander Van der Bellen hat sich „mit einem Laufmeter Bücher“ eingedeckt. Er ist im Urlaub „am Vormittag auf dem Berg“, danach kommt schwere Sachbuch-Kost wie Amos Elons „The Pity of It All. History of the Jews in Germany 1743–1933“ (Picador USA, E 14,50 bei Amazon) oder Literatur: „The Crazed“ des Chinesen Ha Jin (Vintage Books, bei Amazon E 13,50). Später greift er zu Krimis und Comics wie „Tim und Struppi“.

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30.6.2004 16:27