Endzeit: Blauer Totalschaden
- FP revoltiert gegen Jörg Haider
Blauer Krisenparteitag: Wie Ewald Stadlers Kandidatur als Vizechef Ursula Haubner unter Druck setzt. Warum sich der Club Jörg aufgelöst hat. Und wie Haiders Schwester ihre Kür retten will.
Damit hatte Jörg Haider wohl nicht gerechnet. Noch vor zwei Wochen wurde er von den Seinen angefleht, doch bitte wieder an die Parteispitze zurückzukehren. Noch am vergangenen Donnerstag hatte er dann via Kärnten eine Regierungsumbildung angekündigt, um seine Allmacht in der FPÖ zu demonstrieren. Und noch am vergangenen Samstag konnte er die neue Justizministerin Karin Miklautsch, seine ehemalige Wasserrechtsexpertin (siehe Seite 20), beim Gokartrennen in Velden als seine neueste Ministerin stolz vorführen und damit rechnen, dass bald zwei seiner engsten Vertrauten Uwe Scheuch und Karl-Heinz Petritz als Generalsekretäre installiert werden.
Doch jetzt ist alles anders: Haider ist nicht mehr Regisseur, sondern Getriebener eines gefährlichen Aufstandes. Die missglückte Regierungsumbildung à la FPÖ hat das blaue Fass endgültig zum Überlaufen gebracht. Tempora mutantur.
Freilich: Dass die blaue Welt schon lange nicht mehr heil ist und die FPÖ seit Monaten um ihr nacktes Überleben kämpft, war längst bekannt. Doch dass sich nun weite Teile der FPÖ gegen ihren einstigen Guru stellen und ihn in die wohlverdiente Frühpension schicken wollen, ist neu und voll ironischer Dramatik.
Stadlers Vormarsch. Dabei soll am kommenden Samstag Haiders Schwester Ursula Haubner im Design-Center in Linz zur neuen FPÖ-Chefin gewählt werden. Doch von einem Jubel-Trubel-Heiterkeit-Parteitag samt flammender Rede Haiders die alles wieder gutmacht ist die FPÖ weiter entfernt denn je.
Ewald Stadler stellt die FPÖ vor eine Zerreißprobe: Der Volksanwalt mit dem niedlichen Spitznamen Dobermann wird am Samstag als Vizechef kandidieren so oder so, wie er im NEWS-Gespräch festhält. Ihm gehe es um den Erhalt der Partei, verkündet der ultrakonservative Katholik abseits der Amtskirche. Ein Affront gegen Haubner, die sich ihr Team selber aussuchen wollte. Haider forderte Dienstagabend Stadler auf, dann als Volksanwalt zurückzutreten. Doch der schlagende Burschenschafter zeigt sich unbeeindruckt: Sicher nicht. Es verstößt gegen kein Gesetz. Die Landesgruppen Oberösterreich und Vorarlberg sehen das anders, für Spannung ist zumindest bis Samstag gesorgt.
Haubners Kampf. Noch am Dienstag versucht Haubner zu retten, was noch zu retten ist, während Stadler bei einer Veranstaltung im Haus der Heimat angesichts Dutzender Demonstranten diese, aber auch ÖVP und FPÖ attackiert. Die 58-jährige designierte Parteichefin berät sich immer wieder mit Vizekanzler Hubert Gorbach schon in Vorarlberg ein Intimfeind Stadlers , Klubchef Herbert Scheibner und natürlich Haider. Die drei Herren raten ihr, Stadler keinesfalls zu akzeptieren: Der kriegt nie eine Mehrheit am Parteitag.
Doch ganz so sicher scheint sich die Staatssekretärin, die gleich mit drei rivalisierenden Lagern konfrontiert ist, nicht zu sein. Haubner ruft Andreas Mölzer an jenen bekennenden Deutschnationalen, der sie mit seiner erfolgreichen EU-Kandidatur erst in diese missliche Lage gebracht hat. Sie verabreden sich für den darauf folgenden Tag zum Mittagessen. Haubner will Mölzer, der die rechten Recken in seiner Arbeitsgemeinschaft freiheitliche Zukunft sammelt, auf ihre Seite bringen: Wenn wir die Partei retten wollen, müssen wir zusammenhalten. Ein naives Unterfangen.
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