Mittwoch, 30. Juni 2004

Portugal 2004: Die beste EM aller Zeiten setzt völlig neue Maßstäbe

  • Noch nie haben so viele Österreicher den Top-Kickern auf die Beine geschaut. Fußball ist wieder in.

Der Herr Generaldirektor legt in diesen Tagen seine Geschäftstermine natürlich so, dass er rechtzeitig vor Matchbeginn vorm Fernseher sitzt. Überstunden beschränken sich in den letzten drei Wochen zumeist auf die Verlängerung bis zum alles entscheidenden Elfmeterschießen.

Wirte, die ihr Lokal nicht rechtzeitig mittels Großbildschirm „EM-tauglich“ ausgestattet haben, stehen oft allein hinter der Schank. Und wer auf eine hohe Frauenquote bei „fußballfreien“ Society-Events hofft, muss wieder enttäuscht abziehen.

Ganz Österreich, so scheint’s, liegt im Fußballfieber, obwohl die rotweißrote Nationalmannschaft von Hans Krankl bei der Europameisterschaft in Portugal mangels Qualifikation gar nicht mitkicken darf. In vielen Vorstandsetagen, an fast jedem Arbeitsplatz, bei Treffen im Freundeskreis werden die EM-Spiele ausgiebigst „nachbearbeitet“ und diskutiert, neue Wetten auf die kommenden Matches abgeschlossen.

Die Super-EM. Fußball ist in aller Munde. Dank des wahrscheinlich besten Fußballturniers aller Zeiten. Mit durch die Bank spannenden Spielen auf allerhöchstem Niveau – von der Athletik wie von der Balltechnik her. Von der ersten Minute weg geben Europas beste Kicker in Portugal Gas. Taktieren ist verboten. Mit fast unglaublichem Tempo wird das Tor des Gegners immer wieder berannt. Herausragende Einzelleistungen setzen dem ganzen Spektakel noch die Krone auf.

Am kommenden Sonntag, dem 4. Juli, wird im neuen Fußballtempel „Estadio da Luz“ von Lissabon der neue Europameister gekürt. Absolute Topfavoriten wie Titelverteidiger Frankreich, Italien, Spanien oder England sind schon vor den Semifinalspielen hochkant aus dem Turnier geflogen, Rekordeuropameister Deutschland (drei EM-Titel) auch. Kleine Nationen, allen voran Griechenland, haben bei der Euro 2004 die Fußballhierarchie auf den Kopf gestellt. Superstars wie Frankreichs Zinedine Zidane, Italiens Francesco Totti, Spaniens Raúl oder Englands David Beckham erlitten ihr ganz persönliches Waterloo.

Junge, frische Wilde. Dafür sind wie aus dem Nichts neue, unverbrauchte Kicker wie Kometen am Fußballhimmel aufgetaucht: der 18-jährige Wayne Rooney aus Liverpool zum Beispiel, bis zu seinem Mittelfußbruch im Viertelfinale gegen Portugal auf dem besten Weg zum „Spieler des Turniers“. Oder der 22-jährige tschechische Torjäger Milan Baros, der unsere Nachbarn vorm Semifinale plötzlich zum ganz großen EM-Favoriten machte. Oder der 19-jährige Cristiano Ronaldo aus Portugal, der selbst Altmeister und Nationalheld Luis Figo in den Schatten stellte. Oder Arjen Robben, 20, Hollands Wirbelwind im Angriff, der im Elfmeterkrimi gegen Schweden kaltschnäuzig das fast sprichwörtliche „Oranje-Trauma“ besiegte.

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30.6.2004 15:09