NEWS: Jelinek-Neuwirth-Oper zum "Fall Wurst" abermals vor dem Scheitern
- Die Autorin: "Nie wieder Oper!"
Die Oper "Der Fall Hans W." von Elfriede Jelinek (Libretto) und Olga Neuwirth steht zum zweiten Mal vor der Absage. Jelinek beendet deshalb ihre Tätigkeit als Librettistin. Das berichtet NEWS in seiner aktuellen Ausgabe. Die Oper, ein Auftragswerk der Salzburger Festspiele für das Mozart-Jahr 2006, wurde vor einem Jahr unter beträchtlicher öffentlicher Anteilnahme wegen Geldmangels storniert. Koproduzent Gérard Mortier (Pariser Oper) fand daraufhin die Wiener Staatsoper als Koproduzenten. Das Werk, von dem vorerst nur die erste Fassung des Librettos existiert, sollte 2007 uraufgeführt werden.
Nun zitiert NEWS aus einem Fax Mortiers an Neuwirth, in dem dieser Vorbehalte gegen das Libretto äußert. Diese würden von Holender sowie von den avisierten Regisseuren Michael Haneke ("Die Klavierspielerin") und Jossi Wieler geteilt. Mortier: "Das heißt im Klartext, dass ich zur Zeit noch immer allein bin, und da ist mir die Investierung im Hinblick auf das Libretto zu groß.. (...) Zusammengefasst würde ich also mit Ihnen sehr gern ein Projekt zustande bringen, aber würde doch am liebsten einen anderen Weg gehen." Mortiers Begründung: "Das Thema der Pädophilie ist meines Erachtens zur Zeit total ausgeschöpft."
Jelineks Libretto behandelt laut NEWS den Fall des Klagenfurter Pädiatrie-Professors Franz Wurst, der im Vorjahr wegen Anstiftung zum Mord an seiner Ehefrau und Missbrauch von Kindern rechtskräftig zu 17 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Das erprobte Duo ("Bählamms Fest", "Lost Highway") nahm sich das Thema vor, weil die Salzburger Festspiele thematisch Passendes zum Mozart-Jahr gefordert hatten. "Der Fall W." ist eine satirische "Don Giovanni"-Paraphrase mit dem Kinderarzt als Don Juan, der ermordeten Ehefrau als weiblichem Komtur und Wursts Helfer als Leporello und Lustobjekt. Ursprünglich wollten Jelinek und Neuwirth eine Oper zum Fall des NS-Psychiaters Heinrich Gross schreiben, disponierten aber auf Wunsch der Festspiele um.
Elfriede Jelinek will nun laut NEWS nie wieder als Librettistin arbeiten: "Ich will das Wort Oper nicht mehr hören. Wenn es einer in meiner Nähe ausspricht, ohrfeige ich ihn. Und wenn ich es in der Nähe von jemandem ausspreche, darf derjenige mich ohrfeigen."
Olga Neuwirth auf NEWS-Anfrage: "Ich muss erst sehen, was Mortier mit ,einen anderen Weg gehen meint. Auf jeden Fall aber bin ich mit Elfriede menschlich und künstlerisch solidarisch. Ich finde das Libretto großartig." Am größten sei ihre Enttäuschung gegenüber Haneke und Wieler: "Was ist das für eine Zeit, in der zwei von mir sehr geschätzte Regisseure die Macht haben, mit ihrem Werturteil ein Opernprojekt zu Fall zu bringen?" Konklusio: "Ich vermute, man hat Angst vor dem Skandal, weil das Thema ,Pädophilie von ähnlich brennender Aktualität ist wie seinerzeit das des Womanizers Don Giovanni. Als Künstler wird man doch die die Realität analysieren und allgemeine gesellschaftliche Phänomene problematisieren dürfen!"
Wiens Staatsoperndirektor Holender bietet in NEWS einen Kompromiss an: "Nicht die Neuwirth-Oper wurde von Mortier abgelehnt, nur das Libretto. Ich habe ihn in Paris getroffen, und er sagte mir: Er fände den Text nicht gut und sehe nicht ein, dass wir etwas bezahlen sollten, was der Salzburger Intendant Ruzicka den beiden eingeredet hat. Die Absagen der Regisseure hätten ihn bestärkt. Ich habe, ehrlich gestanden, mit dem Text auch meine Schwierigkeiten. Aber das Thema Heinrich Gross, das ursprünglich zur Diskussion gestanden ist, interessiert mich sehr. Ich möchte das Frau Neuwirth im Herbst vorschlagen."
Jelinek: "Ich werde nicht die Librettistin sein. Ich bin die einzige, die bisher etwas für das Projekt gearbeitet hat. Klagen kann ich nicht, weil es keinen Auftrag gab. Also bleibt es dabei: Ohrfeigen für jeden, der in meiner Gegenwart das Wort Oper ausspricht."
Mortiers Büro meldete sich nach Drucklegung bei NEWS und betonte, es gebe keine Absage, aber Vorbehalte.
Die gesamte Story lesen Sie im aktuellen NEWS!
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