Freitag, 2. Juli 2004

Kampf um den Buchmarkt: Internet-Händler Amazon setzt Verlage unter Druck!

  • Dank hoher Marktanteile fordert Amazon den Lieferanten hohe Rabbate ab. Verlage in Österreich betroffen.

Ein brutaler Machtkampf tobt zwischen dem 5,3 Milliarden Dollar Jahresumsatz schweren börsennotierten US-Unternehmen Amazon und dem traditionsreichen Züricher Belletristikverlag Diogenes (rund dreißig Millionen Euro Jahresumsatz). Amazon Deutschland, auch für Österreich zuständig, forderte dank zuletzt gestiegener Marktmacht (vier Prozent Anteil am Buchgeschäft) von Diogenes fünfzig Prozent Rabatt. Diogenes-Chef Stefan Fritsch ließ Amazon abblitzen und flog bei der Online-Firma aus dem Sortiment.

Auch bei heimischen Verlagen wie Ueberreuter setzt Amazon jetzt die Daumenschrauben an. Weshalb die gesamte Buchbranche in Deutschland und Österreich die laufenden Verhandlungen zwischen den erbitterten Kontrahenten Diogenes und Amazon mit Spannung beobachtet. Denn deren Resultate könn-ten dramatische Konsequenzen für sämtliche Verlage haben: Setzt sich Amazon durch, werden große Buchfilialisten wie die Thalia-Gruppe (Amadeus) ähnliche Rabatte fordern. Dann wird es nicht nur für Diogenes, sondern auch für Suhrkamp und Co eng.

Gerald Schantin, Chef der heimischen Buchhandelskette Morawa & Styria: "Hier geht es ums Prinzip. Wenn Diogenes nachgeben muss, werden im Verlagswesen alle Dämme brechen."

Abseits des Schlagabtauschs zwischen den Branchengrößen mussten heimische Belletristikverlage bereits in den von Amazon dargebotenen sauren Apfel beißen. "Die haben bei uns wegen Rabatten angeklopft", bestätigt Ueberreuter-Sprecherin Iris Seidenstricker. Ergebnis der Verhandlungen zwischen Amazon und Ueberreuter-Chef Fritz Panzer: Rabatte auf bestimmte Buchtitel muss Ueberreuter zwar nicht gewähren, dafür blecht der Verlag künftig "Werbekostenzuschüsse" an Amazon.

Amazon lässt sich von Lieferanten etwa eine Präsentation als "Autor des Monats" auf der eigenen Plattform mit 7.500 Euro abgelten. Eine "Neuheit der Woche" schlägt mit 5.000 Euro zu Buche. Ein einmaliges Kundenmailing kostet 2.500 Euro. Bei Buchhandlungen ist derlei Service gratis.

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2.7.2004 14:51