Dienstag, 29. Juni 2004

Heute stehen Post- und Bahnbus still: 750.000 Schüler und Pendler betroffen!

  • In OÖ wird sei 3.30 Uhr gegen Privatisierung protestiert
  • Frühverkehr: Laut ÖAMTC bisher "nicht problematisch"

Postbus und Bahnbus stehen heutestill: In fast allen Bundesländern sind heute morgen Betriebsversammlungen bei Postbus und Bahnbus angelaufen. Wegen des Protests der Gewerkschaft gegen die geplante Teilprivatisierung sollen 2.200 Busse teils bis in die frühen Mittagsstunden in der Garage bleiben. Die Gewerkschaft fürchtet um 600 Arbeitsplätze, Regierung und Unternehemensführung weisen das zurück. Ein letzter Appell von Verkehrsminister Hubert Gorbach (F) gestern Abend im TV, die Proteste auf Nachmittag zu verschieben, ist von der Gewerkschaft nicht erhöht worden.

"Momentan ist es nicht problematisch", bewertete die ÖAMTC-Informationszentrale am Mittwoch gegen 6.30 Uhr den trotz Postbus-Streik großteils fließenden Frühverkehr. Geradezu klassisch sei ein Unfall auf der Südosttangente bei der gesperrten Ausfahrt Simmering. Richtung Norden staute es sich zurück bis Inzersdorf.

Ansonsten gab es etwas verstärkten Verkehr auf den Stadteinfahrten. "Aber es gibt keine großen Unterschiede zu sonst", so der ÖAMTC-Mitarbeiter. Aus den Bundesländern wurden vorerst gar keine Behinderungen gemeldet.

Vereinzelten sollen die Betriebsversammlungen allerdings nur eine halbe Stunde gedauert haben und die Busse bereits wieder fahren, erklärte ein Sprecher der Gewerkschaft Mittwochfrüh auf APA-Anfrage. Postbus-Regionalleiterin Petra Höfinger meinte im "Ö1 Frühjournal", dass auch einige Fahrer überzeugt worden seien, nicht an den Protesten teilzunehmen. Welche Busse nun tatsächlich unterwegs sind, erfährt man unter der Telefonauskunft 05/1717.

Generell keine Behinderungen wird es im Busverkehr in den Morgenstunden nur in Vorarlberg, in weiten Teilen Tirols sowie bei den "Wiesel"-Bussen und Flughafenverbindungen im Großraum Wien geben.

Von den Busausfällen sind bis zu 750.000 Österreicher betroffen, der Großteil davon Schüler. Sie sind heute nur entschuldigt, wenn sie auf den Postbus oder Bahnbus angewiesen sind. Pendler werden großteils auf das Auto ausweichen müssen. Der ARBÖ erwartet daher einen starken Verkehr an den Stadteinfahrten.

In Wien ist zum Auftakt der Proteste um 6.00 Uhr ein Konvoi mit 18 Bussen von Hütteldorf in Richtung Busgarage Erdberg losgerollt. Die Betriebsversammlung in Wien soll dann bis neun Uhr dauern. Am längsten sollen die Busse in der Steiermark stehen, dort sind die Betriebsversammlungen großteils bis 12.00 Uhr angesetzt. In Mariazell, wo laut Gewerkschaft die komplette Busgarage verkauft werden soll, haben die Postbus-Mitarbeiter einen Schweigemarsch und eine Kranzniederlegung vor der Basilika angekündigt.

In Obersterreich und Niederösterreich sind Arbeitsniederlegungen von Betriebsbeginn bis 9:30 Uhr geplant, in Salzburg und Kärnten bis 8.00 Uhr. In Tirol soll es nur in den Regionen Kufstein, Wörgl, Mayrhofen und Steinach am Brenner zu Ausfällen kommen. Proteste sind dort zwischen 6.00 und 10.00 Uhr angekündigt.

Auch in Vorarlberg soll es eine Betriebsversammlung geben, allerdings erst zwischen 9.00 und 11.00 Uhr. Im Frühverkehr dürfte es daher im Ländle keine Probleme geben.

Die Gewerkschaft will mit den Protesten erreichen, dass nicht pragmatisierte Mitarbeiter bei einem Verkauf von Linien nicht automatisch zu Privaten wechseln müssen. Auf eigenen Wunsch, so das Modell, sollen die Mitarbeiter auch formal bei Postbus oder Bahnbus bleiben können und nur an die privaten Busbetreiber verleast werden. Vorstand und Regierung prüfen derzeit noch. Ungeachtet der Proteste sind für nächste Woche weitere Gespräche geplant. (apa/red)

29.6.2004 12:07