Montag, 28. Juni 2004

Neue Turbulenzen um Bank Burgenland: Verwirrung bei der Bestellung des Vorstand

  • Gerold Stagl weigert sich, Rücktritt zu vollziehen

Gerold Stagl, der nach Darstellung der Aufsichtsräte per Ende Juni aus dem Vorstand der Bank Burgenland ausscheidet, bleibt bei seiner gegenteiligen Position: Er habe seine Funktion nicht zurückgelegt, "weil es eine einvernehmliche Lösung geben muss", sagte Stagl Dienstagnachmittag zur APA. Sein Vorstandsvertrag sei "nach wie vor aufrecht", so Stagl.

Er sei freilich daran interessiert, eine Lösung herbei zu führen und sei "zu allen Gesprächen bereit". Und er gehe davon aus, dass es in Gesprächen mit den Eigentümervertretern zu einer solchen einvernehmlichen Lösung kommen werde. Gestern, Montag, Abend seien solche ersten Gespräche "nicht zielführend" verlaufen.

An sein Angebot vom Frühjahr, im Fall eines Eigentümerwechsels bei der Bank seine Position zur Verfügung zu stellen, fühle er sich mittlerweile "nicht gebunden", sagte Stagl weiter. Es sei ja bisher kein Eigentümerwechsel und somit auch keine Neuausrichtung der Bank erfolgt.

Von außen würde ihm der Eindruck vermittelt, dass man offenbar einen "schwarzen Peter" suche, "vielleicht um vom geplatzten Verkauf abzulenken", mutmaßt Stagl. Sachlich seien ihm auch aus der Vergangenheit jedenfalls keine Vorwürfe zu machen, meint der streitbare Vorstand: Weder aus Leasinggeschäften, die sehr gut liefen, noch aus einem Wertpapiergeschäft aus dem Jahr 2000, das damals Liquidität gebracht habe und von dem jetzt nur mehr eine Swap-Position dargestellt würde. "Das haben auch andere Banken gemacht."

In seinem Schreiben an die Mitarbeiter der Bank hatte Stagl am Vormittag darauf verwiesen, dass es zu seiner "Abberufung, aus welchen Gründen auch immer, keine Abstimmung und keinen Beschluss" im Aufsichtsrat gegeben habe. Im APA-Gespräch ging er darauf nicht weiter ein, kritisch bewertet er aber vor allem, dass der Aufsichtsrat nicht vorab mit ihm ins Gespräch getreten sei. "Dann wäre das friktionsfrei über die Bühne gegangen." Den vom Aufsichtsrat als seinen Nachfolger per 1. Juli bestellten Gerhard Nyul schätze er im übrigen sehr, ergänzte Stagl.
(apa/red)

28.6.2004 12:56