30.6.2004 23:04

Schweiß und Tränen: Nach Wimbledon-Sieg ließ Federer Gefühlen freien Lauf

  • Der Schweizer hatte im Spiel alles gegeben
  • Vor Federer nur 6 weitere Titelverteidiger erfolgreich

Mehr als zwei Stunden hatte er alles gegeben, dann durfte sich der Schweizer "Rasen-König" Roger Federer auf eine Stufe mit Tennis-Assen wie Pete Sampras und Boris Becker stellen: Er hatte seinen Wimbledontitel erfolgreich verteidigt. Wie groß der angestaute Druck war, beakamen auch die 13.800 Zuschauer mit: Noch auf dem Rasen brach Federer in Tränen aus

Roger Federer sank auf die Knie, die Tränen kullerten ihm übers Gesicht. Er hatte nicht geahnt, wie schwer es sein würde, seinen Wimbledon-Titel zu verteidigen. Als am Sonntag das entscheidende Ass im Finale der 118. All England Championships zum 4:6,7:5,7:6 (3),6:4 gegen den US-amerikanischen Draufgänger Andy Roddick nach zweieinhalbstündiger Berg- und Talfahrt auf dem "Heiligen Rasen" gelandet und sein zweiter Triumph unter Dach und Fach gebracht war, entluden sich die Emotionen bei dem Schweizer denn auch heftiger als vor einem Jahr.

"Unglaubliches Gefühl"
"Es war ein unglaubliches Gefühl", beschrieb er den Moment, in dem der Jubel der 13.800 Zuschauer auf dem Center Court aufbrandete. "Ich war wahnsinnig erleichtert", erzählte der Schweizer, der nun zum erlauchten Kreis der sieben erfolgreichen Titelverteidiger zählt - wie unter anderem Boris Becker und der siebenfache Champion Pete Sampras, mit dem ihn ohnehin schon viele vergleichen. Mit dem entscheidenden Punkt war der Druck von ihm abgefallen, der sein Spiel im Finale gelähmt hatte.

Zitterpartie "mit kalten Händen"
Nervöser als sonst sei er gewesen und schon "mit kalten Händen" auf den Platz gekommen, sagte der noch immer trainerlose Federer. Zwar versuchte er, kühl und ruhig zu wirken, sein hochmotivierter Kontrahent aber spürte, dass gegen den nun schon seit 24 Spielen auf Rasen unbesiegten Eidgenossen an diesem Tag mehr als eine Statisten-Rolle für ihn übrig war. "Andy hat unglaublich aggressiv gespielt. Und ich war überrascht, wie stark er auf der Rückhandseite war", gestand der 22-Jährige. "Dass ich trotzdem gewonnen habe, macht mich unheimlich stolz."

"Ich muss konsequenter ans Netz kommen"
Die beiden Regenpausen nutzte er zur Manöverkritik und erkannte:."Ich muss etwas ändern, mehr riskieren und konsequenter ans Netz kommen." Ein probates Rezept, dem Spiel gegen den starken Roddick ("Ich habe bis zum Letzten gekämpft") eine Wende zu geben..

Gewaltiger Erwartungsdruck
Fast wäre der Champion aber doch von der Last der Erwartungen erdrückt worden: "Dass Federer verliert, galt ja schon als Wunder", meinte Federer. Die "Berner Zeitung" machte am Montag das Dilemma des Tennis-Genies deutlich. Der Ausnahmekönner dominiere seine Gegner fast nach Belieben: "Aber das wird nicht zum Normalzustand werden, obwohl man Federer-Siege vor allem in der Schweizer Öffentlichkeit schon fast gelangweilt zur Kenntnis nimmt. Und das ist eigentlich ein wenig zu bedauern, denn Federer ist ein Tennis-Juwel."
(apa/red)

30.6.2004 23:04
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