Von Dick Advocaat bis Rudi Völler: Die Zukunft der 16 EURO-Trainer
- Sieben Länder bekommen definitiv einen neuen Coach
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Ist Griechenland ein verdienter Europameister?
Sieben der 16 EM-Teilnehmer werden nach der EURO einen definitiv einen neuen Trainer bekommen. Einigen wurde das Abschneiden des eigenen Teams zum Verhängnis, andere wiederum haben sich bei der EM ein Denkmal gesetzt. Ein Situationsbericht:
Luiz Felipe Scolari (Portugal): Die Methoden des Brasilianers wurden zunächst nicht verstanden und angefeindet. Nach der Auftaktniederlage gegen Griechenland geriet er in der Öffentlichkeit ins Kreuzfeuer der Kritik. Nach dem Halbfinal-Triumph über die Niederlande gab er jedoch bekannt, seinen Vertrag bis 2006 zu verlängern - Journalisten applaudierten.
Karel Brückner (Tschechien): Der wortkarge Taktiker hat nach der verpassten WM-Qualifikation vor zweieinhalb Jahren Tschechien wieder an die europäische Spitze geführt. Seine ruhige Art kommt bei den Spielern gut an. Bei der EURO 2004 spielte sein Team attraktiven Fußball, scheiterte aber im Halbfinale an Griechenland. Fußball-Lehrer Brückner, dessen Vertrag bis zur WM 2006 läuft, bleibt voraussichtlich dennoch im Amt.
Dick Advocaat (Niederlande): Der 55-Jährige wurde seit Beginn seiner zweiten Amtszeit scharf kritisiert. Das hat sich in Portugal trotz der Halbfinal Teilnahme der Oranjes nicht geändert. Die Auswechslung von Jungstar Arjen Robben im Vorrunden-Spiel gegen Tschechien wird ihm nach wie vor vorgeworfen. Advocaat ließ schon nach dem Viertelfinale durchblicken, dass er seinen Vertrag bis 2006 nicht erfüllen will. Ein Rücktritt direkt nach Ende der EM scheint unumgänglich.
Otto Rehhagel (Griechenland): Rehhagel ist die neue Ikone des griechischen Fußballs. Er gilt als entscheidender Erfolgsfaktor, der die Hellenen bei der EM zum Überraschungsteam des Turniers machte. "Rehakles" - so sein neuer Spitzname - wird voraussichtlich seinen bis 2006 laufenden Vertrag erfüllen und weiter am griechischen Fußball-Wunder arbeiten.
Sven-Göran Eriksson (England): In England hatte man sich vom Schweden mehr erhofft als lediglich das Erreichen des Viertelfinales. Die Schuld am Ausscheiden wurde aber in erster Linie auf den Schweizer Schiedsrichter Urs Meier und die Elfmeterschützen David Beckham und Darius Vassell abgeschoben. Eriksson stand nie zur Diskussion und wird weiter Coach der "Three Lions" bleiben, die in der bevorstehenden WM-Qualifikation auf Österreich treffen.
Jacques Santini (Frankreich): Der ehemalige Meistertrainer von Olympique Lyon hatte schon vor EM-Beginn unabhängig vom Abschneiden seines Teams einen Vertrag beim Premier-League-Klub Tottenham Hotspur unterschrieben. Santini hatte mit seiner Entscheidung vor Beginn des Turniers für großes Aufsehen und Unstimmigkeiten im Team gesorgt.
Lars Lagerbäck/Tommy Söderberg (Schweden): Bereits vor der Endrunde
stand eines fest: Das einzige Trainerduo im internationalen Spitzenfußball wird gesprengt. Lagerbäck wird alleiniger Chefcoach, während sein Studienfreund Söderberg die Geschicke der U21-Auswahl Schwedens übernimmt.
Morten Olsen (Dänemark): Olsen hatte seinen Langzeitvertrag schon vor der WM 2002 in Südkorea und Japan bis 2006 verlängert. Dementsprechend lehnte er vor der EM in Portugal Angebote der deutschen Bundesligisten Hertha Berlin und Borussia Dortmund ab, um weiter dänischer Teamchef zu bleiben. Am Viertelfinal-Aus gegen Tschechien war er dennoch nicht unbeteiligt: Die dänische Presse warf Olsen vor, "die Auswechslungen verschlafen zu haben".
Georgi Jarzew (Russland): Der aufbrausende Russe hat zwar noch einen gültigen Vertrag bis 2006, doch das Vorrunden-Aus und der Rauswurf von Publikumslieblung Alexander Mostowoj haben seine Position massiv geschwächt. Eine Entlassung des Egozentrikers ist denkbar.
Inaki Saez (Spanien): Auf Grund einiger Diskussionen um seinen EM-Kader und die Aufstellung im entscheidenden Gruppenspiel gegen Portugal ist der Baske nach dem Vorrunden-Aus der "Seleccion" zurückgetreten. Sein Nachfolger ist mit Luis Aragones eine der großen Trainer-Legenden Spaniens.
Köbi Kuhn (Schweiz): Trotz der mageren EM-Ausbeute - lediglich ein nentschieden gegen Kroatien - wird Kuhn seinen Vertrag zumindest bis 2006 erfüllen. Der Schweizer Öffentlichkeit gefällt sein Weg, jungen Spielern eine Chance zu geben. Dementsprechend blieb der 60-Jährige nach dem Ausscheiden seines Teams von scharfer Kritik weitgehend verschont.
Otto Baric (Kroatien): "Otto Maximale" ist nach dem Ausscheiden seines Teams in der Vorrunde zurückgetreten, zeigte sich aber von der Leistung - vor allem dem Unentschieden gegen Frankreich - dennoch angetan. Mittlerweile liegt dem ehemaligen ÖFB-Teamchef angeblich ein Angebot über 1,2 Mio. Dollar (986.193 Euro) aus Kuwait vor.
Giovanni Trapattoni (Italien): Der Vertrag des 65-Jährigen, der noch bis 15. Juli läuft, wird nach dem enttäuschenden Ausscheiden in der Gruppenphase nicht verlängert. "Trap" will zwar noch nicht seine Fußball-Pension antreten, wird sich aber für ein paar Wochen eine Auszeit gönnen. Anfragen aus dem Ausland lehnte er bisher ab. Als Trapattonis Nachfolger steht Marcello Lippi bereits fest.
Plamen Markow (Bulgarien): Markow lehnte nach den drei Niederlagen gegen Schweden, Dänemark und Italien eine Verlängerung seines auslaufenden Vertrages ab. Viele Bulgaren würden den legendären Hristo Stojtschkow gerne als seinen Nachfolger sehen.
Aleksandrs Starkovs (Lettland): Starkovs avancierte mit der EM-Qualifikation im Relegationsspiel ggen die Türkei zum Nationalhelden. Mit einem Punkt gegen Deutschland gelang den Balten unter seiner Obhut eine neuerliche Sensation. Starkovs sitzt trotz des Vorrunden-Outs fest im Sattel.
Rudi Völler (Deutschland): Der nach der WM 2002 hoch gelobte Teamchef verabschiedete sich wenige Stunden nach dem blamablen 1:2 gegen die Ersatzmannschaft Tschechiens. Völler plant eine kurze Auszeit, wird jedoch als Manager mit Bayer Leverkusen in Verbindung gebracht. Nach der klaren Absage von Ottmar Hitzfeld herrscht um seinen Nachfolger beim DFB weiter Rätselraten.
(apa/red)
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