Portugiesen auf der ganzen Welt nach dem Finaleinzug im Freudenrausch
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Der historischer Fußball-Triumph von Luis Figo und Co. hat im Land des EM-Gastgebers und über dessen Grenzen hinaus einen kollektiven Freudenrausch ausgelöst. Der Schlusspfiff zum 29. Spiel der Euro 2004, das die Hausherren am Mittwoch in Lissabon gegen die Niederlande verdient 2:1 gewannen, war gleichzeitig der Startschuss für eine rauschende Sieges-Party, die Menschen von den Azoren bis nach China bis in die Morgenstunden des Donnerstags in ihren Bann zog.
Neutrale Beobachter, die von der prächtigen und überschäumenden Stimmung ebenfalls mitgerissen worden waren, fragten sich nachher: Was wird erst los sein, sollte Portugal am Sonntag das Finale gegen Griechenland oder Tschechien gewinnen und als vierter Gastgeber nach Spanien (1964), Italien (1968) und Frankreich (1984) im eigenen Land Europameister werden? Der erstmalige Einzug der Iberer in ein Endspiel eines großen Fußball-Turniers versetzte sie schon jetzt in Ekstase. In Lissabon herrschte der Ausnahmezustand, als Zehntausende im Zentrum ihre Helden feierten.
Autokorso, Hupkonzerte, Trommeln und Trompeten legten über die am Tejo gelegene Hauptstadt eine ohrenbetäubende Lärmkulisse. Durch die Straßen und Gässchen hallte immer wieder "Portugal, Portugal!" Auf der Avenida zwischen den Plätzen Marques do Pombal und Rossio bejubelten die mit grün-roten Utensilien ausgerüsteten Menschenmassen mit Freudentänze und Gesängen den Triumph. Die Leute lagen einander in den Armen, busselten einander ab, feuerten Knall- und Feuerwerkskörper ab, hissten auf Denkmälern, Balkonen usw. ihre Landesflagge.
Feiern im ganzen Land
Das Grün-Rot, mit denen nicht nur Fahrzeuge, sondern auch Häuser geschmückt waren, beherrschte überall im Land die Szene. "Ich habe während des Spiels, speziell am Ende, viel gelitten, aber das war es mir wert", sagte ein Beamter auf dem Weg zu den Feierlichkeiten und kündigte an, am Donnerstag nicht ins Büro zu gehen. "Portugal gewinnt, da kann ich einfach nicht arbeiten", meinte er. Statt Schreibtisch hieß es für ihn am Donnerstag ab ins Bett und ausschlafen. Schließlich folgt am Sonntag noch ein Spiel!
Und der Computer-Techniker Fernando Silva sagte mit heiserer Stimme: "Es gibt keine Begründung für unseren Erfolg, außer, dass wir Tore schießen. Und ich bin immer sicherer, dass Portugal Europameister wird." Selbst Portugals Regierungschef Jose Manuel Durao Barroso packte das Fußball-Fieber, als er nach den Chancen für das sonntägige letzte Spiel befragt wurde. "Endspiel? Ich habe schon vorher gesagt, der Himmel ist das Limit", sagte der bald zum EM-Kommissionspräsidenten aufsteigende konservative Politiker.
Feiern auf der ganzen Welt
Die Erfolgswelle erfasste auch Portugiesen am anderen Ende der Welt. In Dili, der Hauptstadt der früheren Portugal-Kolonie Osttimor, und in Macau, eine ehemalige portugiesische Enklave, strömten hunderte Leute nach der TV-Übertragung trotz Wind und Regen in der Nacht auf die Straßen und zelebrierten das 2:1. In den Niederlanden erwies sich das Gros der Fan-Gemeinden als fairer Verlierer. "Portugal war das klar bessere Team, es war ein verdienten Sieg", gab ein Student zu. Der 24-Jährige hatte das EM-Aus der Oranjes in einem Amsterdamer Lokal via TV miterlebt.
Ein fünf Jahre älterer Arbeiter der Luftfahrt-Industrie machte jedoch kein Hehl daraus, dass er im Finale die Tschechen als Sieger erwartet. Ein anderer Student, ebenfalls ganz in orange adjustiert, sieht das "Ende einer ganzen Kicker-Generation" kommen. "Spielern wie Arjen Robben gehört die Zukunft", fordert er einen Umbau des niederländischen Nationalteams. Stam, Overmars, Bosvelt etc. werden dem hart kritisierten Bondscoach Dick Advocaat in den Teamruhestand folgen.
Niederländer friedlich
Wie in Portugal lief nach dem Spiel auch im Land des Käses und der Grachten alles großteils friedlich ab, die Oranjes haben ihre Niederlage ruhig hingenommen. Nur in der Kleinstadt Oss, der Heimat von Ruud van Nistelrooy, kam es nach dem Schlusspfiff zu Scharmützel. Die Polizei musste rund zwei Stunden randalierende Fans besänftigen. Einige hundert Radaubrüder hatten im Zentrum Auslagen eingeschlagen, Geschäfte geplündert, Schlägereien angezettelt und Beamte angegriffen. Die mutmaßlichen Rädelsführer wurden von den Behörden festgenommen.
(apa/red)
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