Traumziel Etappensieg: Österreicher stecken sich bei Tour de France Ziele hoch
- Fünf heimische Starter bei härtestem Rennen der Welt
- Totschnig, Eisel, Wrolich, Haselbacher, Glomser starten
·Österreichs Fahrer bei Tour de France
Alle fünf heimischen Starter
im großen Überblick
·Nur Teilerfolge für Österreich bei Tour
Palette reicht von letztem Platz bis zum dritten Rang
·Angst vor Doping- Razzien bei der Tour
Direktor der Tor de France zeigt Verständnis dafür
Fünf Österreicher, so viele wie nie zuvor, nehmen am Samstag in Lüttich (Belgien) die Tour de France in Angriff. Die Aufgaben des in drei verschiedenen Teams engagierten Quintetts sind vielfältig, doch ein Traumziel haben sie alle: Einen Etappensieg in der härtesten Radrundfahrt der Welt.
Georg Totschnig gilt als Kapitän des Teams Gerolsteiner nach perfekter Vorbereitung als Anwärter auf einen Top-Ten-Platz der Gesamtwertung, für die übrigen Vier haben Helfer-Aufgaben Vorrang. Totschnigs Kollegen Rene Haselbacher und Peter Wrolich sollen Sprinter Danilo Hondo (GER) im Finale Windschatten geben, Bernhard Eisel muss im französischen Team FdJeux.com das Finale bei Massenankünften für Baden Cooke (AUS) vorbereiten. Doch ebenso wie Gerrit Glomser im Team Saeco hoffen sie, neben den zugeteilten Pflichten selbst einmal bei einem geglückten Ausreißversuch dabei zu sein.
"Es wäre wichtig, dass endlich ein Österreicher eine Etappe gewinnt, wir haben Leute, die dazu fähig sind", meinte Tour-Debütant Wrolich selbstbewusst. Als Tagessieger durfte sich bei der Tour bisher nur Max Bulla feiern lassen, der vor 73 Jahren drei Etappen gewann.
Vier Österreicher als Helfer im Einsatz
Eisel, Glomser, Haselbacher und Wrolich sind zwar in Massenspurts keine Konkurrenten für Topsprinter wie Alessandro Petacchi (ITA) oder Robbie McEwen (AUS), doch schnell genug, um in Fluchtgruppen in der Entscheidung ganz vorne zu landen. "Aber es wird verdammt schwierig, in einer Spitzengruppe zu sein, die auch ankommt. Die Teams der Sprinter werden versuchen, das Feld zusammenzuhalten", erklärte Haselbacher.
Der Burgenländer hat im Vorjahr mit einem kapitalen Sturz mit zerschundenem Körper und völlig zerrissenem Trikot weltweit mehr Medienpräsenz erreicht, als mit einem zweiten Etappenrang möglich gewesen wäre. Das zeigt die Bedeutung der "Tour der Leiden". "Die Tour ist das Größte, es ist ein Super-Gefühl, da mittendrin zu sein", sagt Haselbacher. Dass Gerolsteiner als Nummer drei der Weltrangliste gleich drei Österreicher ins neunköpfige Aufgebot nominiert hat, spricht für die Klasse der heimischen Profis.
Haselbachers Aufgabe ist klar definiert. Gemeinsam mit Wrolich soll er Danilo Hondo im Finale in eine perfekte Position bringen. "Wir können nicht zu dritt einen Sprint gegen neun Mann von Fassa Bortolo (Team von Petacchi, Anm.) oder Domina Vacanze (Mario Cipollini) anführen, wir müssen versuchen, Danilo an das Hinterrad von Petacchi oder Cooke zu bringen", sagte Haselbacher zur Taktik. Das haben die Gerolsteiner-Männer heuer oft erfolgreich geprobt. "Jetzt schauen wir, ob wir es auch bei einem großen Rennen hinbekommen", erklärte Wrolich und Haselbacher drückt aus, wie wichtig ein Tour-Etappensieg für das Team wäre. "Wenn Danilo gewinnt, ist das ein Wahnsinn, das ist unser Vertrag für die nächsten zwei Jahre."
Hoffnung Etappensieg
Doch neben all den Pflichten, die es zu erfüllen gibt, lebt bei den Österreichern auch die Hoffnung auf einen eigenen Erfolg. Nach drei harten Wochen Paris zu erreichen sei das vorrangige Ziel, sagen Wrolich und Eisel vor ihrer Tour-Premiere unisono. Noch schöner wäre es freilich, auf einer Etappe ganz weit vorne platziert zu sein. Glomser hat im Vorjahr, als er etwa auf der großen Alpenetappe eine Attacke ritt, erkennen müssen, "wie schwer es ist, ganz vorne mitfahren". Der Salzburger nimmt diesmal Druck von sich ("Ich rechne mir nicht hundertprozentig viel aus"), weiß aber um seine Stärke. Hat er ein Ziel im Auge, ist Glomser immer für eine Topleistung gut. "Ich brauche mich nicht zu verstecken, ich kann mit der Aufgabe wachsen."
Totschnig hat mit seinem Etappensieg in der Tour de Suisse enormes Selbstvertrauen getankt. "Er hat den Braten gerochen und ist reif für einen Sieg", sagt Teamkollege Haselbacher über seinen Landsmann. Nach Gesamtrang zwölf im Vorjahr (nach zuvor bestrittenem Giro d'Italia) will der Zillertaler diesmal mehr. Doch eine Spitzenplatzierung in der Gesamtwertung steht einer frühen Attacke in den Bergen im Wege. Die Teams der Topfavoriten Lance Armstrong und Jan Ullrich würden keine Gruppe weglassen, in der sich Totschnig befindet. Der fühlt sich in der Form seines Lebens: "Ein Etappensieg steht im Vordergrund, an einem sehr guten Tag werde ich etwas riskieren."
Luttenberger nicht dabei
Nichts wurde es aus eine Tour-Teilnahme von Peter Luttenberger im dänischen CSC-Team, obwohl sein Team-Kollege Jörg Jaksche wegen eines gebrochenen Ellenbogens ausfällt. CSC-Teamchef Bjarne Riis zog Berg-Spezialist Luttenberger den starken Zeitfahrer Andrea Peron vor, der mithelfen soll, das Mannschafts-Zeitfahren (4. Etappe) zu gewinnen.
(apa)
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