Dienstag, 29. Juni 2004

Premiere beim Duell der Erzfeinde: Sitzt Hitzfeld schon in Wien auf der DFB-Bank?

  • Ex-Bayern-Trainer winkt Jahresgehalt von vier Mio. Euro
  • Bedenkzeit nach Geheimverhandlungen in Spanien

Ottmar Hitzfeld ist am Zug - und seine Zusage wohl nur noch Formsache. Gerhard Mayer-Vorfelder, Präsident des deutschen Bundes (DFB), ist nach täglichen Telefonaten und einem Treffen mit dem Ex-Bayern-Trainer in Sevilla sehr zuversichtlich, dass der 55-Jährige als neuer Teamchef die Nachfolge von Rudi Völler antreten wird und am 18. August in Wien gegen Österreich erstmals auf der DFB-Bank im Ernst Happel-Stadion sitzt.

Völlig entspannt und gut gelaunt ging der Verbandschef am Dienstag in Lissabon in die Sitzung der UEFA-Exekutive. Eine Prognose, wann Hitzfelds Ja-Wort kommt, gab er aber nicht ab: "Mal abwarten." In den Geheimverhandlungen in einem Hotel in Spanien hatte sich Hitzfeld nach dpa-Informationen eine zehntägige Bedenkzeit erbeten. Dies vor allem deshalb, weil er die Zustimmung seiner Frau einholen wollte, der er nach seinem vorzeitigen Bayern-Abschied zum Saisonende eine einjährige Fußball-Pause versprochen hatte. Beatrix Hitzfeld signalisierte allerdings bereits kurz nach der ersten Verhandlungsrunde ihres Mannes, dass an ihrem Veto eine Verpflichtung nicht scheitern würde.

In allen wichtigen fachlichen Fragen hatten Mayer-Vorfelder und Hitzfeld während des etwa zweistündigen Gesprächs offensichtlich schnell Einigung erzielt. Es seien "angenehme Gespräche" gewesen, so Mayer-Vorfelder."Er hat klare Vorstellungen." So würde Hitzfeld seinen langjährigen Co-Trainer und Vertrauten Michael Henke mitnehmen, seinen Wohnort in München behalten und zunächst einen Zwei-Jahres-Vertrag bis zur WM 2006 unterzeichnen. Nach Angaben der "Sport Bild" soll der erfolgreichste deutsche Vereinstrainer vom DFB ein Jahresgehalt von rund vier Millionen Euro beziehen.

Außerdem steht das gesamte Trainer-Konzept um Jugend-Koordinator Michael Skibbe und U21-Coach Ulli Stielike auf dem Prüfstand, wie Mayer-Vorfelder verdeutlichte. "Nach dem Rücktritt von Völler hat sich ein neuer Sachverhalt ergeben, der es notwendig macht, auch über die Aufgabenverteilung der DFB-Nachwuchstrainer nachzudenken", sagte der DFB-Chef.

Möglicherweise wird sich Bayern München zunächst noch am Gehalt für den 55-Jährigen beteiligen. Bei der Auflösung von Hitzfelds Arbeitsvertrag mit dem deutschen Rekordmeister, der trotz Beurlaubung noch bis zum Juni 2005 läuft, könnte dies so mit vereinbart werden, deutete Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge an. Bereits zuvor hatten die Bayern ihre Bereitschaft erklärt, den Schritt von Hitzfeld zum DFB zu unterstützen. Nach Präsident Franz Beckenbauer betonte nun auch Rummenigge, dass man "eine tragfähige Lösung" finden werde. (apa/red)

29.6.2004 16:19