Mittwoch, 30. Juni 2004

Deutschlands neuer Präsident: Rau-Nachfolger Horst Köhler feierlich vereidigt!

  • Erste Rede: Deutschland ist in Schwierigkeiten
  • Plus: Ein Porträt des neuen Staatsoberhaupts!

Jetzt hat auch Deutschland einen neuen Bundespräsidenten: Horst Köhler wurde als Nachfolger von Johannes Raus bei einer gemeinsamen Sitzung von Bundestag und Bundesrat feierlich vereidigt. In seiner Antrittsrede appellierte der 61-jährige Ex-IWF-Chef an Regierung und Opposition, die gravierenden wirtschaftlichen und sozialen Probleme des Landes gemeinsam zu lösen.

Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) eröffnete um 9.00 Uhr im Berliner Reichstagsgebäude die feierliche Amtseinführung. Nach Reden von Bundesratspräsident Dieter Althaus (CDU) und Köhlers Vorgänger Rau wurde der 61-Jährige gegen 09.45 Uhr vereidigt.

Bei dem Amtseid kam die Originalausgabe des Grundgesetzes zum Einsatz. Der neue deutsche Bundespräsident warb in seiner ersten Rede für einen neuen Aufbruch in Deutschland. Das Land stecke unübersehbar in großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, sagte Köhler. In der Gesellschaft machten sich neue Spaltungstendenzen bemerkbar. "Wir haben es nicht geschafft, den Sozialstaat rechtzeitig auf die Bedingungen einer alternden Gesellschaft und einer veränderten Arbeitswelt einzustellen", beklagte Köhler.

Der ehemalige Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) war am 23. Mai als Kandidat von Union und FDP von der Bundesversammlung gewählt worden.

Verabschiedung von Johannes Rau
Der scheidende Bundespräsident Johannes Rau hat die Deutschen zu Solidarität und praktizierter Nächstenliebe aufgerufen. "Solidarität ist mehr als das Bündnis der Schwachen mit den Schwachen", sagte Rau in seiner Abschiedsrede vor Bundestag und Bundesrat im Berliner Reichstagsgebäude. Solidarität bedeute das Einstehen der Starken für die Schwachen und dass man gelegentlich das Wohl der ganzen Gesellschaft über die eigenen Belange stelle.

Rau erinnerte an die "zweite Chance", die Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg erhalten habe. Daran sollten sich die Menschen erinnern, wenn die politische Auseinandersetzung "allzu kleinlich" werde. Deutschland müsse sich den Lehren aus der Geschichte bewusst bleiben. "Das ist eine Verpflichtung, die über die Wahrung der eigenen Interessen weit hinaus geht." Rau versicherte, dass er nicht "wehmütig" aus dem Amt scheide. Vielmehr empfinde er vor allem Dankbarkeit. "Ich bin dankbar für das Vertrauen, das mir so viele Menschen entgegengebracht haben und für die Offenheit, mit der sie mir begegnet sind", sagte er. (apa/red)

30.6.2004 22:46